Ist ER zu schwach?
August 7th, 2012 Clu MariaOft lese ich in den Berichten submissiv geneigter Frauen von frustrierenden Erfahrungen mit realen Partnern: Was mittels Fernbeziehungen so wunderbar gelingt, scheint in der Nähe eines gemeinsamen Alltags einfach nicht klappen zu wollen, bzw. es verliert sich nach und nach. Ja, es treten sogar ganz neue, widerständige Gefühle auf, wenn ER die einst geliebten und ersehnten “dominanten” Verhaltensweisen zeigt.
Warum ist das so? Viele erklären sich das mit “mangelnder Dominanz”: Er war / ist halt nicht wirklich ein Dom, frau hat sich geirrt, er hat vielleicht etwas vorgegaukelt, was gar nicht seiner Wahrheit entspricht. Und die Suche geht von vorne los…
Ich denke, es liegt an etwas Anderem, nämlich daran, dass die Neigung sich grundsätzlich auf “Traum-Dom” richtet: mehr oder weniger eine Märchengestalt, die in jeder Hinsicht SOUVERÄN agiert, sowohl im zwischenmenschlichen als auch in jedem anderen Bereich.
Erfüllung aus der Ferne
Das klappt mit fernen Partnern in der Regel eine Zeit lang sehr gut: per Projektion dichten wir ihm alle nur erdenklichen und erträumten Eigenschaften an, erreichen per Mail, SMS, Telefon eine vermeintliche “Nähe”, die an “Tiefe” alles toppt, was je im richtigen Leben erlebt wurde. Und ab und an ein Treffen, ganz im Zeichen der Neigung, bringt Erfüllung und verstärkt noch die Sehnsucht, MEHR DAVON bekommen zu wollen.
Die vermeintliche Nähe lebt allerdings von realer Distanz, denn nur so kann die Illusion aufrecht erhalten werden, das Gegenüber sei tatsächlich so wunderbar und großartig – und vor allem SOUVERÄN!
Doch egal, wie wunderbar nun einer als “Dom” sein mag: sobald daraus eine nahe Partnerschaft mit gemeinsamem Alltag entsteht, bröckelt die Illusion zwangsläufig. Deshalb haben auch viele nur recht kurze Beziehungen. Es heißt dann, er war “nicht wirklich dominant” und die Suche nach Traum-Dom geht weiter.
Bleibt man beieinander oder entdeckt aus einer bestehenden Partnerschaft heraus die “andere Erotik”, wird DS alsbald “spielerischer”: Es lässt sich eben nicht auf Dauer verbergen, dass der Partner selbstverständlich ebenso “abhängig” ist wie die allermeisten sozialkompatiblen Menschen: von der Arbeitssituation, von Launen und Stimmungen, von familiären Ereignissen, von Freundschaften und deren Gelingen – und gefühlsmäßig natürlich auch vom Partner/der Partnerin. Wäre dem nicht so, wäre man ihm ja EGAL und es gäbe gar keine Partnerschaft. Zudem zeigen sich in der Nähe noch andere Ecken und Kanten des Gegenübers, die nicht ins Bild von Traumdom passen, die aber jeder Mensch irgendwo hat.
Für “spielerisches”, also auf gewisse Stunden und Momente beschränktes DS gilt dann, dass es nur klappt, wenn keine sonstigen Konflikte die Beziehung belasten. Gibt es solche, wird es bei Sub nicht zu lustvoller Unterwerfung kommen, sondern zu sehr ernst gemeinten Gefühlen des Widerstands – vielleicht sogar gepaart mit einem Hauch von Verachtung…
Das sind nur meine Erfahrungen und Eindrücke aus Gesprächen mit vielen FemSubs, ich will damit nicht behaupten, dass alle das so sehen müssen.
***
Vielleicht interessiert dich auch:




