Flexible SM-Möbel, die nicht auffallen

Mein multifunktionaler Spielraum: Einblicke und Entstehungsgeschichte

Für SM-Sessions habe ich gerne viel Platz. Weder genügt das typische Wohnzimmer (Couch, Sessel, Couchtisch, TV, Schrankwand) meinen “speziellen Nutzungen”, noch mag ich das übliche “Schlafzimmer” mit Doppelbett, Schrank und kaum Platz drumrum. Eine Session soll nicht zwangsläufig auf dem Bett stattfinden, sondern aus dem ganz normalen “gemütlichen zusammen sitzen” heraus starten können – und alles, was dann folgt, darf nicht mehr als ein paar Handgriffe der Vorbereitung erfordern.

Raum greifende, massive SM-Möbel, die den Raum schon optisch klar definieren, kommen also nicht in Betracht: ich will auch mal Besuch haben, der nicht gleich mit den Besonderheiten meines erotischen Lebens konfrontiert werden muss. Es dürfen also keine massiven Objekte herum stehen, die nur einem einzigen Zweck dienen und ansonsten nur Platz wegnehmen – Platz, den ich als “Freiraum” gerne um mich habe, z.B. für Yoga-Übungen.

Der Spielraum: Fixierung an der Decke

Meine zwei geräumigen, jeweils ca. 26 m² großen Zimmer sind mit einer schönen großen Altbautür verbunden. Der vordere Raum ist ein Homebüro, der hintere Raum das Wohn-, Schlaf- und Spielzimmer”. Um hier möglichst viel freien Platz zu gewinnen, ist das Bett eine breite Matratze an der Wand, die lediglich auf einem Lattenrost liegt – so ist der Wechsel aufs Bett ganz beiläufig möglich, und es kann auch nicht wackeln und quietschen (=der Grund, warum ich das frühere Holzbett abgeschafft habe). Ein bodennahes Bett wirkt zudem sehr gemütlich.

Auf weichem Grund “nach oben” gefesselt

Die erste wichtige Anschaffung für dieses Zimmer war ein dicker, weicher Berberteppich, der fast den ganzen Raum ausfüllt. Eine großes, mega-gemütliches Sofa steht an der Wand, das Tischchen davor kann schnell aus dem Weg geräumt werden, so dass in der Mitte des Zimmers mehrere Quadratmeter freier Spielraum entsteht.

Was macht man da? Na klar, erstmal müssen da noch Deckenhaken her, damit Sub mit den Armen nach oben frei im Raum stehend gefesselt werden kann:

DeckenstangeDas hier rechts im Bild ist nun schon die fortgeschrittene Version, angefangen hat es mit nur einem Haken und einer Kette. Zwei Haken ermöglichen den Einsatz der Stange und damit eine sehr viel weniger “stressige” Haltung, wenn es z.B. um eine längere Flag-Session geht. Wenn Sub nämlich die Stange umfassen kann, schlafen die Arme nicht so schnell ein. Kommt Besuch, geht das “Reck” locker als Sportgerät durch (um den Rücken mal auszuhängen, das viele Sitzen!!), sie ist aber auch mitsamt den Ketten schnell entfernt.

Achtung: diese selbst gebastelte kurze Spreizstange aus Holz ist nicht geeignet, das ganze Körpergewicht zu tragen! Dafür müsste sie aus Stahl sein oder müsste Stahlmanschetten an den Enden bekommen! Man kann sich schon mal reinhängen, aber einer Dauerbelastung hält das Holz nicht stand.

Der Gegenpart: Das Bondage-Brett – Fixierung auf dem Boden

Frei im Raum stehend, kann Sub sich weiträumig bewegen, wenn lediglich die Arme nach oben gefesselt sind. Manchmal erscheint es allerdings zweckmäßig, das “bewegliche Ziel” etwas besser zu fixieren, z.B. um in einer Flag-Szene leichter zu treffen (und natürlich, um das Gefühl des Gefesselt-Seins zu verstärken). Viele nutzen dafür eine übliche Spreizstange, an deren Enden die Fußmanschetten eingeklinkt werden. Eine weitere Möglichkeit ist das Bondagebrett:

Bondagebrett

Dieses hier entstand aus einer gebrauchten Arbeitsplatte, die ich mit je sechs Schraubösen auf den Seiten und einer Öse auf der Längsseite versehen habe. Das Brett ist 140 x 60 cm groß, ca. 3 cm dick und vielfältig einsetzbar. Es ersetzt die Spreizstange (Sub kann auf dem Brett stehend an den Fußgelenken fixiert werden), ist aber auch für Fesselungen im Liegen sehr dienlich: Fesselungen, die mittels der vielen Ösen eher eng und fest oder lockerer angelegt werden können – mit viel Seil oder eben nur mit den Haken der Manschetten. Die Öse auf der Längsseite ist Haltepunkt für das Halsband, so dass Sub den Oberkörper nicht anheben kann. Eine nette Lage für sinnliche Spiele: von Streicheln über Hauen bis zu Klammern und Wachs. Und nach der Session verschwindet das Teil hinter einem Schrank, der in einer anderen Zimmerecke steht.

Die Sprossenwand

SprossenwandDie nächste Anschaffung “zur besonderen Verwendung” war eine Sprossenwand. Ich hab’ lange recherchiert, bis ich mich zu dieser hier entschlossen hatte: 260 cm hoch, 16 Sprossen (griff-ergonomisch oval geformt) für ca. 240 Euronen. Die gibt dem Zimmer einen “Fitness-Übungsraum-Touch”, der noch verstärkt wird, wenn da nicht (wie auf dem Bild) eine Spreizstange in der Ecke lehnt, sondern z.B. ein Fitness-Schwingstab.

Der rosa Hocker davor ist natürlich auch ein “SM-Möbel”: optimal geeignet, um Sub (ausgehend von kniender Stellung) bequem bäuchlings drüber zu legen. Da schmerzen keine harten Kanten und nichts lenkt von der Behandlung ab, für die die Stellung gedacht ist!

An der Sprossenwand kann man sehr enge Ganzkörper-Fesselungen realisieren, doch auch die bloße Fixierung der Handgelenke auf verschiedenen Höhen bietet vielfältige Möglichkeiten, es für Sub recht unbequem zu machen. Ein bodennaher Haken an der gegenüberliegenden Wand ergänzt das Ganze so, dass Streckfesselungen “quer über den Raum” unaufwändig machbar sind – und das ganze Zimmer geht doch immer noch als “normal bis sportlich” durch, wenn Besuch kommt!

Die Kür: das hochflexible SM-Möbel

höhenverstellbarer BockVon einem alten Schreibtisch war ein verstellbarer Bock übrig geblieben. Der hatte schon mal einen Einsatz als “spanisches Pferd”, erwies sich aber wegen seiner zu schmalen Kante für diesen Zweck als ungeeignet und war darüber hinaus zu instabil, um “eine ganze Sub” ohne Kippgefahr zu tragen.

Jetzt aber hat er wieder einen Sinn bekommen, indem er – zusammen mit den bereits beschriebenen Elementen Sprossenwand und Bondagebrett – zu einem hoch flexibel einsetzbaren, in zwei Minuten auf- und abbaubarem Multifunktionsmöbel wird:

multifunktionales SM-Möbel

In dieser Version ist die Platte recht genau waagerecht eingehangen, bzw. die Bockhöhe entspechend gestellt. Sub liegt z.B. bäuchlings auf der Platte und wird am Brett bzw. an der Sprossenwand fixiert.

gesicherte Auflage des BrettsFür die Fesselung der Fußgelenke bieten sich die Beine des Bocks an, die eine Spreizstange überflüssig machen. Sub kann aber auch rücklings auf die Platte gelegt werden, entweder mit dem Kopf Richtung Wand, aber auch umgekehrt, mit dem Kopf über die Kante der Platte hinaus nach hinten/unten hängend (eine für Deep Throat gut geeignete Haltung). (Die Beine – und evtl. der Unterleib – müssen in diesem Fall so an die Sprossenwand gefesselt werden, dass kein weiteres nach hinten abrutschen ermöglicht wird!) Ein Abrutschen des Bretts von der Sprosse verhindern angeschraubte Leisten auf der Unterseite des Bondage-Bretts (siehe Bild).

Hier noch eine andere Variante: die Platte ist SCHRÄG eingehangen – und der zur Kniebank umfunktionierte Nachttisch davor deutet weitere Möglichkeiten der Nutzung an:

multifunktionales SM-Möbel

Mit der Schräge darf man es nicht übertreiben, denn allein das Gewicht von Sub hält das Brett auf dem Bock. Will man es schräger haben oder sehr “bewegungsintensiv” darauf spielen, empfiehlt sich, die Auflage des Bretts auch auf dieser Seite speziell abzusichern. (Das steht noch auf meiner To-Do-Liste. Ebenso wie das runde Loch im Brett, durch das sich mit Seil oder Kette Subs Halsband eng am Brett befestigen lässt).

Perfektionierungen

Es hat nicht an mangelndem Geld gelegen, dass ich mir keine fertigen SM-Möbel kaufte, sondern einfach daran, dass sie wegen ihrer Größe, ihrem Design und ihrer ganzen Machart durchweg ZU DOMINANT den Raum beherrschen. Es soll nicht aussehen wie in einem Studio: ich will nicht alles in ROT oder SCHWARZ und auch keine massigen Vierkanthölzer oder fetten Stahlrohre im Zimmer haben! Und wenn ich nicht spiele, soll das alles unproblematisch verschwinden.

Das ist mit diesen einfachen Selbstbau-Teilen nun verwirklicht. Aber natürlich könnte alles etwas schöner und passender hergestellt werden:

  • Das Brett luxuriös gepolstert,
  • ein anderer Bock, stabil auf 4 Beinen stehend und dennoch höhenverstellbar – auch separat nutzbar, etwa als “spanisches Pferd”, wie auch als schlichter “Strafbock” zum drüber beugen;
  • am Brett (oder am Bock?) könnten noch auf irgend eine Art abnehmbare Halterungen angebracht werden, die Sub bei Bedarf in eine “Gyn-Stuhl-Situation” bringen.

Es ist also noch nicht perfekt. Vielleicht baue ich selber weiter, vielleicht findet sich auch mal ein begnadeter Handwerker oder Designer, der die Bock-Brett-Gynstuhl-Kniebank-Elemente “aus einem Guss” herstellt – jeweils einzeln nutzbar oder zusammen. Er könnte die erforderliche Sprossenwand mitvertreiben oder noch etwas eigenes als Wand-Auflage dazu entwerfen. (…und darf dann unter diesem Artikel werben – gegen entsprechenden Rabatt! :-)

19 Kommentare

  1. Hallo Clu,

    ich finde es sehr schön, das Du den Link zu Deiner Seite in der SZ veröffentlicht hast. Denn sehr viele SMer haben einfach nicht so die Vorstellung, wie man mit wenigen Handgriffen und noch weniger Geld, sinnvolle Möbel bauen oder umfunktionieren kann, so das das Spiel variationreich wird oder bleibt.

    LG Lola Lotus

  2. Danke Clu… für diese Ideen. Ich habe unter meiner Galerie hinten schon eine “Sportecke”…. Deine Ideen lassen sich dort gut verwirklichen. Ich sitze hier und grinse, wirklich klasse… :-)

  3. Viele nette Ideen, und sehr schön, dass es eben nicht Schwarz-Rot-Stahl ist, sondern schwiegermuttertauglich. :-) Die Sprossenwand hatten wir uns ob ihrer vielfältigen Einsatzmöglichkeiten auch schon überlegt. Hinsichtlich unobtrusiver Spielwaren mit einschlägiger Nutzbarkeit hätte ich noch eine Empfehlung: Ein Meditationskissen erlaubt einige interessante Positionen mit und ohne Seile und schont zugleich die Knie.

  4. Ah, stimmt, da ist eins :-) Ich meinte mehr diese im Durchmesser kleineren und dafür höheren Teile, die eine sehr entspannte Haltung zwischen Knien und Hocken ermöglichen, also Hintern auf dem Kissen, Beinhaltung wie beim Knieen, aber eben etwas bequemer. Dafür ist die flache Ausführung von den Proportionen her m.E. weniger geeignet.

  5. Das mit der Sprossenwand hatte ich auch schon einmal überlegt – gibt es so was auch in Metall ?
    Ansonsten ist das hier mal eine Interessante Seite. :-)

    Gruß aus Berlin.
    mania

  6. Ein interessanter Hinweis bezüglich der Möbelwünsche ist die website
    http://www.sensual-erotic-arts.de.
    Der dort vorgestellte “Tisch” ist ein geniales Stück, ich habe das Vergnügen, den zweiten Pototyp, der dort abgebildet ist, zu besitzen. Und er läßt wenig Wünsche offen…..

  7. Hey Clu,

    auch wenn dieser Artikel schon etwas älter ist, wollte ich “Danke” für die tollen Tipps sagen. Ich habe mich bisher hauptsächlich mit professionell hergestellten SM-Möbeln beschäftigt und schon einiges an dafür Geld ausgegeben.
    Deine Ideen sind schnell und einfach umzusetzen und bringen viel Abwechslung ins Liebespiel. Man sieht: man muss nicht immer viel Geld ausgeben, um heiße SM-Sessions abzuhalten.

    Vielen Dank!

    Netter Blog übrigens, hier werde ich wohl noch viel Zeit verbringen.

    Viele Grüße

    Hannes

  8. Ich wurde u.a. durch diesen Bericht hier auch für meine Idee inspiriert.
    Anfangs sollte es ein einfacher “Fessel-Hocker” werden, nun habe ich soviele weitere Ideen, das ich den Hocker schon zu einer Art Stuhl ausbauen werde.
    Ich werde ihn auch so bauen, dass man ihn einfach wieder auseinander bauen kann um ihn dann gut in der Wohnung verstecken zu können, wenn sich mal Besuch anmeldet… ;)

  9. Pingback: Getarnte BDSM Möbel zum selber basteln | Sex in the air

  10. Dieser Bericht gefällt mir, da er auch mein Treiben in dieser Richtung unterstüzt. Aber ich kann auch etwas beitragen:
    Ich habe über der Essecke in meinem grpßen Zimmer aus wenigen Kanthölzern eine Art Überbau/Dach errichtet.
    An diesem Gestell sind mehrere Kranösen befestigt, die abgenommen werden können, aber auch die Fixierung einer/s Sub in verschiedenen Stellungen ermöglichen.

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