Vom Yoga der dunklen Erotik: Alle Beiträge in diesem Blog handeln von einvernehmlichem SM: physische und psychische Praktiken, die zur beiderseitigen Lust im erotischen Kontext inszeniert und erlebt werden.

Tipps für Tops: Vom Durchbrechen der Routine

September 6th, 2007 Clu Maria

Es geht nicht nur BDSM-Paaren so: nach einiger Zeit hat man heraus gefunden, was beim Partner gut ankommt, welche Praktiken verlässlich Begeisterung auslösen, und auch, zu welchen Zeiten man seine erotischen Events veranstaltet und wann besser nicht.

Auch Paare, die ein Machtgefälle inszenieren, sind dagegen nicht gefeit, denn Dom ist ja doch bemüht, auch Sub auf ihre Kosten kommen zu lassen und neigt dazu - vor allem, wenn die Beziehung nicht mehr ganz frisch und entsprechend abenteuerlich ist - das Gefällige dem evtl. Stressigen vorzuziehen. Der rundum “böse” Dom, der niemals Wünsche erfüllt und Sub ausschließlich zu “seiner Lust” benutzt, ist eine Gestalt aus dem Kopfkino, jedoch nicht wirklich realitätstauglich! Zudem ist “seine Lust” ja oft genug auch “ihre Lust”, sonst wären die beiden nicht länger als für ein paar Kennenlern-Sessions zusammen geblieben.

Man richtet sich also in der gemeinsamen “Komfortzone” wohlig ein, in der Risiken nicht mehr zu fürchten sind und der beiderseitige Genuss garantiert scheint. “Genuss” ist hier immer auch im BDSM-Sinne zu verstehen und schließt (neigungshalber erwünschtes) Schmerzerleben, Unbequemlichkeiten und psychische DS-Interaktionen, die Top und Sub gerne miteinander erleben, ein.

Raus aus der Komfortzone!

Es könnte also alles bestens sein, gäbe es da nicht einen Stolperstein, der dem erotischen Erleben quasi “eingebaut” ist: Komfort alleine reicht auf Dauer nicht, es braucht den Reiz des Neuen, des Abenteuerlichen, der Herausforderung. Sofern die Beziehung über das bloß Erotische hinaus geht, man sich also richtig liebt und einen Alltag teilt, kann sich die sexuelle “Gemütlichkeit” lange hinziehen. Aber Achtung: untergründig entsteht ein Vakuum in Bezug auf brisante, fordernde Erotik, das ganz plötzlich aufbrechen und Folgen haben kann, wenn einer der beiden plötzlich jemanden trifft, dessen Interesse und Verlockung ungemein SPANNEND wirkt - einfach deshalb, weil diese Spannung im Beziehungsleben kaum oder gar nicht mehr erlebt wird.

Was also kann man tun, um nicht in dieses Fahrwasser hinein zu geraten, bzw. auch wieder heraus zu finden? Natürlich wird das von Paar zu Paar verschieden sein, doch soll mich das nicht abhalten, mal ein paar Anregungen für Tops aufzulisten. Da es bei vielen Paaren fürs Genießen erforderlich ist, dass “Dom etwas mit Sub macht / von ihr fordert”, sind es Tipps für den dominanten Part der Beziehung (tja, Dominanz macht halt Arbeit und bedeutet: Initiative ergreifen! :-)

  • Wenn die Routine ganz bestimmte Zeiten für Sessions umfasst, unterbrich’ diese Gewohnheit. Überfalle Sub auch mal zu ungewöhnlicher Zeit, es muss ja nicht gleich die Mega-Session zelebriert werden!
  • Ändere den Ort des Geschehens: mal draußen, wenn sonst nur das gemütliche Spielzimmer der Schauplatz ist. Eine Wohnung bietet auch MEHR als das Wohn- oder Schlafzimmer, da gibt es noch das Bad, die Dusche, die Küche…
  • Wenn die Routine darin besteht, vom Alltag abgegrenzte Sessions zu inszenieren, überrasche Sub mit Ankündigungen und Forderungen, sich auf bestimmte Weise vorzubereiten: etwas schreiben (das in der Session dann verlesen werden muss), etwas einkaufen, vorher eine bestimmte Zeit “keusch” bleiben, Gerätschaften bereit legen und Dom in bestimmter Weise empfangen…
  • Wenn der “Nahkampf” (physische Aktionen) die gewohnte Haupt-Äktschn darstellt, halte mal Abstand und kommandiere Sub herum: sich ausziehen, sich zeigen, sich präsentieren, ohne dass Top sie berührt, kann sehr anregend sein!
  • Wenn Distanz, Befehl & Gehorsam die Hauptpraxis ausmachen, rücke Sub auf die Pelle! Dränge sie körperlich an die Wand und lasse sie sich in dieser bedrängten Stellung ausziehen. Lass dich körperlich verwöhnen, auch Dom darf sich was gönnen!
  • Wenn du Sub immer nur gefesselt schlägst, lasse sie frei und fordere Gehorsam! Ist sie gewohnt, Befehlen zu gehorchen, fessle sie und lasse sie “physisches Ausgeliefert-sein” spüren!
  • Vergiss die kleinen Dinge mit großer Wirkung nicht: die Augenbinde ist nicht nur was für Anfänger! Unter Sinnesentzug werden gewohnte “Behandlungen” wieder neu und “erschreckend”.
  • Wenn du allermeist EINE TECHNIK bzw. EINE BEHANDLUNGSWEISE anwendest, fordere Sub mal mit Kombinationen: Fesselung UND Klammern UND Schläge… umgekehrt kann es toll sein, eine einzige Zumutung an die Grenze zu spielen, z.B. die Fesselung in einer unbequemen Stellung - so lange, bis Sub wirklich nichts mehr anderes im Kopf hat, als daraus befreit zu werden.
  • Wenn DS- und SM eure Hauptspielweisen sind, experimentiere mit sinnlichem Genießen: Verpacken, mumifizieren, blind halten und füttern… auch mal ganz ohne “was Böses”, so dass Sub sich wirklich fallen lassen kann.

Wer weitere Vorschläge hat, ist herzlich eingeladen, sie per Kommentar anzufügen!

Und was, wenn die Aktion fehl geht und Sub “not amused” ist? Na, hey, das muss sie verkraften, schließlich ist sie freiwillig Sub! Im Übrigen wird eine liebende Sub die Bemühung um das Brechen der Routine erkennen und anerkennen, sich also bemühen, Doms Neuerungen zu erotisieren und sich nicht beschweren, wenn es nicht gleich gelingt. Risiko und Abenteuer gibt es nicht umsonst, dafür muss man bereit sein, die Komfortzone auch mal zu verlassen - nicht für immer, aber gelegentlich. Denn jede noch so wohlschmeckende Suppe braucht eine Brise Salz!

*

Eine Antwort zu “Tipps für Tops: Vom Durchbrechen der Routine”

  1. Clu Maria sagt:

    Eigenkommentar: die Leser mögen mir das schreiberische Durchziehen der Rollen MalDom/FemSub verzeihen. Selbstverständlich gilt das alles auch umgekehrt, doch ist mir diese Konstellation am nächsten und ein konsequent geschlechtsneutraler Ausdruck wäre sprachlich äußerst umständlich!

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