Vom Yoga der dunklen Erotik: Alle Beiträge in diesem Blog handeln von einvernehmlichem SM: physische und psychische Praktiken, die zur beiderseitigen Lust im erotischen Kontext inszeniert und erlebt werden.

Zum Thema "für Einsteiger/innen"

Ein schlechtes Gewissen wegen SM-Fantasien?

Dezember 11th, 2008 Clu Maria

Immer wieder mal bekomme ich mit, dass es eine nicht unerhebliche Anzahl Männer und Frauen gibt, die sich ihrer SM-Fantasien schämen: Dominanz und Unterwerfung, das Spiel mit dem Schmerz, gar ein Verlangen nach erotischen Demütigungen - wie kann man nur solche “abartigen” Wünsche haben? Manch einer streift fasziniert durch die Webwelten der Szene und verzweifelt gleichzeitig an sich selbst wegen der immer konkreter und drängender werdenden Sehnsüchte. Und es gibt sogar Menschen, die sich bis zu einem “Realkontakt” vorwagen, dann aber einen Rückzieher machen. Nicht etwa, weil sich die Fantasien als Irrtum heraus gestellt hätten, sondern ganz im Gegenteil: weil es so schön war!

Kitzeln - ist das schon SM?

Juni 7th, 2008 Clu Maria

Kitzlige Situation - Foto von Madame La BelleWährend mancher, der auf Kitzeln und gekitzelt werden (engl. tickling) steht, sich diese Frage stellt, scheiden sich unter SMler/innen die Geister, ob das vermeintlich harmlose Vergnügen denn “noch” zu SM zu zählen sei: schließlich macht das jeder mal, der Partner wird eine wenig geneckt und provoziert und im darauf folgenden erotischen “Nahkampf” wird schon auch mal gekitzelt, was das Zeug hält.

Als ich kürzlich eine Diskussion darüber mitlas, hat mich nicht wenig gewundert, dass manche Menschen, die kein Problem damit haben, sich fesseln und schlagen zu lassen, beim Kitzeln völlig “aus der Rolle fallen”: Da ist Schluss mit lustig und Ende der Fahnenstange in Sachen “submissiver Hingabe” - Kitzeln ist eben nicht jedermans/jederfraus Sache. Vermutlich, weil es tatsächlich schlecht erotisierbar ist, weil es der genitalen Erregung zuwider wirkt - oder was meint Ihr?

BDSM / Session-Kommunikation: Was reden in einer Session?

Mai 4th, 2008 Clu Maria

Es gibt viele verschiedene Arten, BDSM zu leben: keine ist richtig oder falsch, nur die Beteiligten müssen “miteinander können”. Der folgende Artikel wendet sich vor allem an diejenigen, die rund um das sadomasochistische Spielen mit Schmerz und Unbequemlichkeit (SM) einen psychischen Rahmen von Dominanz und Unterwerfung (DS) benötigen, um in Stimmung zu kommen, bzw. zu bleiben: ein Aspekt, der ohne Reden nicht auskommt, was vielen Einsteigern aber erst mal schwer fällt. (Man sehe mir bitte den Sprachgebrauch nach, der von MaleDom und FemSub ausgeht - geschlechtsneutrale Formulierungen finde ich einfach unschön und sperrig.)

Vom Sinn des Sprechens

SM und mehr noch DS finden vor allem im Kopf statt, darüber sind sich die meisten einig. Das liegt daran, dass eine äußere Handlung auf vielfältige Weise interpretiert werden kann, was sich am Ruderboot-Beispiel leicht zeigen lässt:

Ein SM-Paar auf dem See: der Mann rudert, die Frau sitzt nur da und schaut in die Landschaft. Wer dominiert diese Situation? Der Mann, weil er mittels der Ruder die Richtung und Geschwindigkeit bestimmt, also die (physische) Kontrolle hat? Oder die Frau, die ihren Sub die Arbeit machen lässt und nur ansagt, wo es lang geht? Allein vom Anblick her lässt sich das nicht entscheiden.

Wenn Schmerz zur Massage wird

April 9th, 2008 Clu Maria

Flag-SzeneJemand, der mit dem Joggen anfängt, kann bekanntlich furchtbar unter der Anstrengung und ungewohnten Bewegung leiden, doch wenige Monate später ist die morgendliche Jogging-Runde zum Lusterlebnis geworden: Man kann danach süchtig werden, sagen viele, die gerne laufen.

Der Körper passt sich im Lauf der Zeit an, lernt, aus der neuen Anforderung das Beste zu machen und schüttet hilfreiche Hormone aus, die die ehemals schmerzliche Anstrengung angenehm machen.

“Fliegen” ist manchmal nicht genug

Nicht viel anders ist es mit den Formen masochistischer Lust: Es ist LERNBAR, eine Flag-Session zu genießen. Mit zunehmender Übung und einem kompetenten Top hebt sich die Schmerzschwelle: Was früher nur weh tat, wird zur angenehmen Massage - und wenn das auf dem Level hoher Intensität passiert, machen die ausgeschütteten Endorphine das ganze zu einem beeindruckenden Rauscherlebnis. Manche nennen es “Fliegen”.

Eigentlich wunderbar - oder nicht? Die einen laufen Marathon, die anderen haben Freude am Gehauen werden, wo ist das Problem?

Ein Bondage-Workshop mit dem Menschenfessler

Dezember 8th, 2007 Clu Maria

Das erotische Fesseln hat viele Anhänger: nicht nur SM-Freunde schätzen die Lust an der physischen Macht und Machtlosigkeit. Leider bleiben die meisten bei den bequemen Handmanschetten und anderen einfachen Methoden der Fixierung stehen, denn der Umgang mit den Seilen erscheint zu kompliziert. Man will ja nicht “Kunst machen”, sondern Spaß haben - aber geht das überhaupt?

In einen Workshop bei einem der “großen Bondage-.Meister” hätte ich mich trotz meiner Freude am fesseln und gefesselt werden nie getraut - nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern auch, weil mir der Anspruch zu hoch ist und das Drumrum oft irgendwie “verstiegen” wirkt. Weder brauch’ ich japanische Namen noch ZEN-mäßiges Ambiente, ich will ja nur fesseln lernen und nicht gleich erleuchtet werden.

Von der Lust am Schmerz

September 29th, 2007 Clu Maria

Als ich vor Jahren meine erste, mit viel Voraus-Fantasie und wilden Vorstellungen erwartete Flag-Session erlebte, war es mit der “Lust am Schmerz” noch nicht weit her. Kopfkino und Wirklichkeit klafften spürbar auseinander. Während des Erlebens kreisten meine Gedanken fast ausschließlich um “psychische Aspekte”, nämlich die Verrücktheit, mir “sowas” antun zu lassen in einer Situation inszenierter Machtlosigkeit. Ich erlebte meinen beinharten Stolz, der mir aufgab, in keiner Weise Schwäche zu zeigen, und das für mich spektakuläre Zerbröseln dieser Haltung in körperlicher Erschöpfung.

Vom Kick der Demütigung im BDSM

September 13th, 2007 Clu Maria

*Wenn in einer SM-Community das Thema “Demütigung” zur Debatte steht, scheiden sich die Geister: Einige lehnen sämtliche Praktiken, die “erniedrigend” wirken könnten, für sich ab. Andere bestreiten deren demütigenden Charakter, denn es geschehe schließlich alles im Konsens. Viele geben aber auch zu, auf Demütigungen abzufahren und dadurch erregt zu werden, doch lese ich selten etwas darüber, warum dem eigentlich so ist.

In der Gesellschaft ist die Praxis, den Partner im erotischen Kontext zu demütigen, noch weit mehr tabuisiert als das Zufügen und Genießen körperlicher Schmerzen. Und doch spielen auch “Stinos” mit Demütigung, z.B. im “Dirty Talk”, oder wenn sich die Frau mal ganz besonders “nuttig” gibt, bzw. so behandelt wird (”geile Schlampe!”).

Vom Spiel mit der Scham

September 10th, 2007 Clu Maria

Schamspiele sind im Rahmen von BDSM-Szenarien beliebte Praxis: Sub soll etwas tut, das ihr die Schamröte ins Gesicht treibt. Was das im einzelnen ist, ist von Person zu Person verschieden, doch gibt es ja recht allgemein verbreitete gesellschaftliche “Tabus”, die sich nutzen lassen. Spiele mit Entblößung, mit Sich-präsentieren-müssen, Dirty-Talk, ungewohnte geile Handlungen, die eine “anständiger Mensch” gar nicht kennen darf, und vieles mehr.

Für mich geht es auf Sub-Seite bei Schamspielen vor allem um einen einzigen Punkt: eine innere Haltung finden, die das “automatische Schämen” (dem man zunächst mal erziehungsbedingt ausgeliefert ist) aushebelt und Subs Willen unterstellt. Also: Sich beherrschen lernen - im Rahmen eines gewissen erotischen Wettkampfs, in dem Sub siegt, sobald sie über Doms Zumutung nur noch müde lächelt.

Tipps für Tops: Vom Durchbrechen der Routine

September 6th, 2007 Clu Maria

Es geht nicht nur BDSM-Paaren so: nach einiger Zeit hat man heraus gefunden, was beim Partner gut ankommt, welche Praktiken verlässlich Begeisterung auslösen, und auch, zu welchen Zeiten man seine erotischen Events veranstaltet und wann besser nicht.

Auch Paare, die ein Machtgefälle inszenieren, sind dagegen nicht gefeit, denn Dom ist ja doch bemüht, auch Sub auf ihre Kosten kommen zu lassen und neigt dazu - vor allem, wenn die Beziehung nicht mehr ganz frisch und entsprechend abenteuerlich ist - das Gefällige dem evtl. Stressigen vorzuziehen. Der rundum “böse” Dom, der niemals Wünsche erfüllt und Sub ausschließlich zu “seiner Lust” benutzt, ist eine Gestalt aus dem Kopfkino, jedoch nicht wirklich realitätstauglich! Zudem ist “seine Lust” ja oft genug auch “ihre Lust”, sonst wären die beiden nicht länger als für ein paar Kennenlern-Sessions zusammen geblieben.

Fesseln mal anders: Bondage mit Stuhl

August 21st, 2007 Clu Maria

Stuhlbondage“Auf den Stuhl fesseln” kann man das echt nicht nennen, was der mittlerweile nicht mehr nur Berlinern bekannte Bondage-Lehrer ProMeToys mit seinem Model Tweety Monroe hier angestellt hat! Als ich das Bild sah, war ich fasziniert - es sieht geradezu “klassisch” aus, und doch bin ich auf dieses Motiv noch nirgends gestoßen. Ich fragte neugierig nach, wie das Bild entstanden ist.

ProMeToys: “Die Idee hatte ich schon lange im Kopf, doch fehlte bisher der richtige Stuhl - der muss nämlich sehr stabil und von der richtigen Form sein. Als ich den Stuhl im Peitschenhandel sah, hab’ ich nur noch ein paar Monate auf den richtigen Moment gewartet. Gefesselte Menschen auf liegenden Stühlen hatte ich schon ein paar gesehen, allerdings kaum Bilder von “gekippten” & gefesselten Menschen auf normal stehenden Stühlen.”

Clu: Wie fordernd ist denn die Stellung für die Gefesselte?? Lässt sich das gut aushalten?

ProMeToys: “Tweety schätzt diese Fesselung als recht bequem ein. Ich denke, solange der Knick im Bauch (d.h. an der Sitzkante) flach genug ist, sodass die Stuhlkante nicht in den Magen-Darmbereich drückt, und die Person sich am Boden auf den Schultern abstützen kann, ist die Fesselung wirklich bequem.”

Na, mal sehen, ob ich das mit einem meiner Stühle ausprobieren kann, bzw. ob mein Liebster Lust hat, mich mal in diese spannende Lage zu bringen!

Stuhlbondage Wer Lust auf kreative Fesselungen hat, findet auf Fesseltrieb.de Anschluss: ProMeToys ist Veranstalter des Fessel-Events “BeBop”, eine Veranstaltung, die regelmäßig in wechselnden Räumlichkeiten stattfindet. (Man lernt dabei auch manche Berliner SM-Location kennen, ohne sich gleich alleine oder als Paar ins Ungewisse stürzen zu müssen!). Daneben gibt’s auch richtige “Fesselstunden” für lernbegierige Fessler, damit die Hände nicht einrosten oder neue Fesseltechniken gelernt werden können. Und hochwertige Seile zu günstigen Preisen muss man ebenfalls nicht lange suchen…


Letzte Kommentare:

Sich wandelnde Motive zur “Lust am Schmerz” (3)

Clu: Aus meiner Sicht kann Kathasis kein ZIEL sein, sondern ERGIBT sich bei entsprechender Einstellung und Verfassung...

Lady Jana: Neulich hab ich ein Mittel gegen Migräne “erfunden” - die Hände eine Weile unter relativ...

Lady Jana: > Allerdings hat sich durch die “Spielerfahrungen” meine Fähigkeit, Schmerzen zu neutralisieren...

Angst vor Switchern? (2)

Lady Jana: ja, und was passiert wenn beide Switcher sind und gleichzeitig zu gleicher Seite switchen wollen? *grusel*...

frau: hallo clu! vielen dank für den artikel über s switchen - dem kann ich nur voll zustimmen die meisten menschen...

Das erste Mal: Eine Begegnung mit der Peitsche (16)

Clu: @Oleg: Deine gute Absicht in allen Ehren, aber den Umgang mit Schlaginstrumenten muss man m.E. nicht unbedingt...

Oleg: Nein, ich glaube nicht dass es so interessant wird zu beschreiben wie der dominante Mann seine erste Berührung...

Demütigung im BDSM - eine Interpretation (10)

Clu: Ich freue mich, dass es Menschen gibt, die mit diesen Texten was anfangen können. Grad bin ich schreibmäßig...

Warum Unterwerfung?? (11)

Clu: @Jana: Keinen Text kann man absolut setzen - auch diesen nicht! :-) Auch in DS-Beziehungen restauriert sich...

IMMER in der Rolle oder nur während der Session? (1)

Lady Jana: sehr realistisch geschrieben, ich fühle sehr ähnlich… Danke Dir für die präzise Formulierungen!