Vom Yoga der dunklen Erotik: Alle Beiträge in diesem Blog handeln von einvernehmlichem SM: physische und psychische Praktiken, die zur beiderseitigen Lust im erotischen Kontext inszeniert und erlebt werden.

Zum Thema "Session-Tipps & Praktiken"

Kitzeln - ist das schon SM?

Juni 7th, 2008 Clu Maria

Kitzlige Situation - Foto von Madame La BelleWährend mancher, der auf Kitzeln und gekitzelt werden (engl. tickling) steht, sich diese Frage stellt, scheiden sich unter SMler/innen die Geister, ob das vermeintlich harmlose Vergnügen denn “noch” zu SM zu zählen sei: schließlich macht das jeder mal, der Partner wird eine wenig geneckt und provoziert und im darauf folgenden erotischen “Nahkampf” wird schon auch mal gekitzelt, was das Zeug hält.

Als ich kürzlich eine Diskussion darüber mitlas, hat mich nicht wenig gewundert, dass manche Menschen, die kein Problem damit haben, sich fesseln und schlagen zu lassen, beim Kitzeln völlig “aus der Rolle fallen”: Da ist Schluss mit lustig und Ende der Fahnenstange in Sachen “submissiver Hingabe” - Kitzeln ist eben nicht jedermans/jederfraus Sache. Vermutlich, weil es tatsächlich schlecht erotisierbar ist, weil es der genitalen Erregung zuwider wirkt - oder was meint Ihr?

BDSM / Session-Kommunikation: Was sagt Sub?

Mai 14th, 2008 Clu Maria

Dies ist die Fortsetzung des Artikels “BDSM / Session-Kommunikation: Was reden in einer Session?”, der nach ein paar einführenden Überlegungen vor allem die Möglichkeiten “dominanter Ansprache” untersucht und mit Beispielen unterfüttert hat.

*Wie sieht es nun auf der Sub-Seite aus? Ist es für den (vermeintlich) “passiven” Part etwa angesagt, vor sich hin zu schweigen, nur auf Aufforderung zu sprechen, und sorgsam darauf bedacht zu sein, ja nichts Falsches zu sagen?

Anfänger machen das oft so, was aus der Unsicherheit auf dem neuen Erlebnisfeld auch recht verständlich ist. Sub fühlt sich erstmal nicht frei, zu tun und zu sagen, wonach sie sich gerade fühlt, sondern bemüht sich, “eine gute Sub” zu sein. Was das jeweils sein soll, wird jedoch oft genug nicht aus den Anweisungen des Gegenübers abgeleitet, sondern aus Vorstellungen, die irgendwo angelesen wurden: von der “Geschichte der O” bis hin zu den Foren der “Sklavenzentrale”.

Dabei ist die “Geschichte der O” das Werk einer nicht-mal-SMlerin, die mit extremen Fantasien einen ganz konkreten Mann an sich fesseln wollte - von “Realisierung” keine Spur! Und in den genannten Foren überwiegen bei weitem diejenigen, die darüber reden, wie sie sich SM VORSTELLEN, da ihnen reale Praxis noch weitgehend fehlt. Kopfkino-Inhalte hier wie dort! Fragt man aber Paare, die länger zusammen sind, schmunzeln sie in der Regel über die Zeit der “krampfhaft guten Sub”, die nicht mal lachen durfte, weil Dom sonst Angst bekam, nicht Ernst genommen zu werden.

Es hilft, sich klar zu machen, was die wesentlichen Aspekte der Sub-Seite sind:

BDSM / Session-Kommunikation: Was reden in einer Session?

Mai 4th, 2008 Clu Maria

Es gibt viele verschiedene Arten, BDSM zu leben: keine ist richtig oder falsch, nur die Beteiligten müssen “miteinander können”. Der folgende Artikel wendet sich vor allem an diejenigen, die rund um das sadomasochistische Spielen mit Schmerz und Unbequemlichkeit (SM) einen psychischen Rahmen von Dominanz und Unterwerfung (DS) benötigen, um in Stimmung zu kommen, bzw. zu bleiben: ein Aspekt, der ohne Reden nicht auskommt, was vielen Einsteigern aber erst mal schwer fällt. (Man sehe mir bitte den Sprachgebrauch nach, der von MaleDom und FemSub ausgeht - geschlechtsneutrale Formulierungen finde ich einfach unschön und sperrig.)

Vom Sinn des Sprechens

SM und mehr noch DS finden vor allem im Kopf statt, darüber sind sich die meisten einig. Das liegt daran, dass eine äußere Handlung auf vielfältige Weise interpretiert werden kann, was sich am Ruderboot-Beispiel leicht zeigen lässt:

Ein SM-Paar auf dem See: der Mann rudert, die Frau sitzt nur da und schaut in die Landschaft. Wer dominiert diese Situation? Der Mann, weil er mittels der Ruder die Richtung und Geschwindigkeit bestimmt, also die (physische) Kontrolle hat? Oder die Frau, die ihren Sub die Arbeit machen lässt und nur ansagt, wo es lang geht? Allein vom Anblick her lässt sich das nicht entscheiden.

Regeln für Sub binden auch Dom

Januar 1st, 2008 Clu Maria

Viele SM-Paare geben sich Regelwerke, etwa in Gestalt eines Vertrages, der “Rechte und Pflichten” beider Seiten enthält oder auch in Form von Verhaltensregeln, die der dominante Partner erlässt und die Sub akzeptiert. Je nach Ausgestaltung der Beziehung gelten diese Regeln “immer” oder nur während der Session-Zeiten. Ihr Sinn ist es, die Hierarchie zwischen Dom und Sub zu bestätigen und im Miteinander erfahrbar zu machen. Mir liegt es ferne, darüber zu befinden, ob Regeln “gut” oder “richtig” sind - für mich sind sie “Spielmaterial”, eine Methode unter mehreren, das DS-Verhältnis zur beiderseitigen Lust zu strukturieren. Die folgenden Überlegungen sind demnach kein Plädoyer dafür oder dagegen, sondern eine Analyse der Erfahrungen, die man mit Regelwerken machen kann.

Tipps für Tops: Vom Durchbrechen der Routine

September 6th, 2007 Clu Maria

Es geht nicht nur BDSM-Paaren so: nach einiger Zeit hat man heraus gefunden, was beim Partner gut ankommt, welche Praktiken verlässlich Begeisterung auslösen, und auch, zu welchen Zeiten man seine erotischen Events veranstaltet und wann besser nicht.

Auch Paare, die ein Machtgefälle inszenieren, sind dagegen nicht gefeit, denn Dom ist ja doch bemüht, auch Sub auf ihre Kosten kommen zu lassen und neigt dazu - vor allem, wenn die Beziehung nicht mehr ganz frisch und entsprechend abenteuerlich ist - das Gefällige dem evtl. Stressigen vorzuziehen. Der rundum “böse” Dom, der niemals Wünsche erfüllt und Sub ausschließlich zu “seiner Lust” benutzt, ist eine Gestalt aus dem Kopfkino, jedoch nicht wirklich realitätstauglich! Zudem ist “seine Lust” ja oft genug auch “ihre Lust”, sonst wären die beiden nicht länger als für ein paar Kennenlern-Sessions zusammen geblieben.

Geistige Fesseln: vom Standardprogramm im Kopf

November 22nd, 2006 Clu Maria

Immer wieder staune ich darüber, wie behindernd das “Standard-Programm” im Kopf doch sein kann - und das sogar wenn man von sich glaubt, es lange schon auf dem Müllhaufen der persönlichen BDSM-Geschichte entsorgt zu haben!

Was ich damit meine? Nun, das Konglomerat aus Regeln und Verhaltensweisen, aus Erwartungen und Pflichten, das in unzähligen Foren und Webseiten, in Büchern und Gesprächen tausendfach kolportiert wird: Dom sagt an, Sub gehorcht, Dom ist aktiv, Sub ist weitgehend passiv, agiert nur auf Befehl. Sub fordert nicht und kritisiert nicht, das könnte ja als “Topping from the Bottom” ankommen und Dom zum bloßen “Wunscherfüller” degradieren. Dom macht das Programm, Dom inszeniert die Session, von Dom gehen alle Aktivitäten aus, Sub verzehrt sich allenfalls in Sehnsucht und Verlangen, zeigt aber nie ihre Enttäuschung, wenn nicht geschieht, was sie sich ersehnt - schließlich soll doch ER voll und ganz Herr der Lage sein und nicht etwa von Sub in Bewegung versetzt werden.

Die Lust am Schmerz braucht den kundigen Top

Oktober 20th, 2006 Clu Maria

Damit Sub Lust an schmerzlichen Behandlungen erlebt, muss sie nicht “besonders maso” sein. Klar gibt es diejenigen, die von vorne herein wissen, dass sie auf Schmerz stehen. Sie benötigen oft keinerlei “Unterwerfungskomponente” im Miteinander mit dem Partner und in den Szenarios ihrer Sessions können Schläge durchaus “als Belohnung” verabreicht werden.

Nach all den Jahren Foren mitlesen kann ich sagen: das ist eine kleine Minderheit in der BDSM-Szene, wie sie sich im Netz zeigt: Glückliche Masochisten, die kein Problem mit dem Schmerz haben, im Gegenteil! Die Mehrheit besteht jedoch eher aus “Menschen wie du und ich”, die Schmerzen erstmal fürchten, trotz der ambivalenten Lust des Verlangens, sie (z.B. als “Strafe”) heraus zu fordern. Oft lese ich sogar den Satz: “Schmerzen selber geben mir nichts, ich ziehe meine Lust aus der Unterwerfung und der Befriedigung des Tops, für den ich es voller Hingabe ertrage”.

Erlebnisebenen einer Session: der Körper

September 5th, 2006 Clu Maria

Dominanz ist die Kunst, Subs Erleben zu gestalten: psychisch, geistig und körperlich. Das ist eine hohe Anforderung, die dem Aktiven einiges abverlangt. Es reicht nicht, eine Reihe von “Praktiken” am willigen Partner zu vollziehen, um ein erotisches Gipfelerlebnis zu kreieren - sonst würden Menschen mit einer masochistischen Ader ja schon beim Zahnarzt glücklich werden.

Manchmal träume ich davon, einen “Session-Baukasten” zu schreiben, der “alles Mögliche” umfasst: konkret genug, um zu inspirieren, aber auch abstrakt genug, um zu verstehen, was die einzelnen Aktionen bewirken, so dass man “aus dem Nichts” bzw. aus eigenen Ideen eine stimmige Session komponieren kann. Leider ist dieses Vorhaben immer, wenn ich es genauer anschaue, noch ein paar Nummern zu groß für mich und meine beschränkte Schreibzeit. Also kann ich immer nur einzelne Aspekte besprechen, die mir gerade ins Auge fallen.

Heute also:

Der Körper - das Physische

Der Körper ist ein Abenteuerspielplatz: jeder Reiz wird gespürt und empfunden, erlitten oder genossen, doch keinesfalls immer auf die gleiche Art. Tagesform und Vorerfahrungen spielen eine Rolle, aber auch der “Kontext”, also die Bedeutung, die der jeweiligen “Behandlung” von Seiten des Aktiven gegeben wird. Wird zum Beispiel etwas als “ganz schlimme Bestrafung” angekündigt, wird es mit Sicherheit schmerzlicher gespürt als wenn Top es mit der Bemerkung einleitet: “jetzt kommt was richtig Schönes, ich bin gespannt, wie es dich berührt!”

Wann beendet man eine fordernde Szene?

Dezember 20th, 2005 Clu Maria

Im Bondage-Forum stellte ein Mitschreiber die Frage:

  • Wie entscheidet der Aktive, wie lange er eine Situation aufrecht erhält ?
  • Wann muss der Passive aus der Rolle befreit werden, wenn es um etwas geht, was länger machbar ist, aber doch irgendwann ein Ende haben muss ?

Da ich schon vorzeitige Abbrüche fordernder Szenen erlebte, die mich nicht das haben erreichen lassen, was ich erleben wollte, sehe ich die Brisanz der Frage. Zunehmend muss ich sie mir auch selber stellen, wenn ich in der aktiven Rolle bin und nicht recht weiß, wann es eigentlich genug ist mit der aktuellen Zumutung. Nicht immer kommen von Sub eindeutige Signale, an denen man sich zur Not orientieren kann. Was dann? Gibt es Kriterien für den Abbruchs, die Erlösung des “armen Opfers” ?

Ohne Nähe kein Gelingen: vom Absturz

November 30th, 2005 Clu Maria

Manchmal staune ich darüber, was so manche Einsteigerinnen (und nicht nur sie!) zu ertragen bereit sind, bevor sie sich auf sich selbst besinnen und zu einer erfüllenden Praxis finden.

Gerade las ich vom Erleben einer 18-Jährigen, die in ihren Sessions regelmäßig einen Absturz in die Leere erlebt: plötzlich sind die Gefühle weg, Worte verlieren jeglichen Sinn, lösen jedenfalls keine innere Resonanz mehr aus - inmitten äußerer Zweisamkeit bricht Einsamkeit auf, wie sie schlimmer nicht sein könnte und zu der sich die beiden Beteiligten ratlos verhalten, sofern überhaupt ein Austausch darüber stattfindet.


Letzte Kommentare:

Sich wandelnde Motive zur “Lust am Schmerz” (3)

Clu: Aus meiner Sicht kann Kathasis kein ZIEL sein, sondern ERGIBT sich bei entsprechender Einstellung und Verfassung...

Lady Jana: Neulich hab ich ein Mittel gegen Migräne “erfunden” - die Hände eine Weile unter relativ...

Lady Jana: > Allerdings hat sich durch die “Spielerfahrungen” meine Fähigkeit, Schmerzen zu neutralisieren...

Angst vor Switchern? (2)

Lady Jana: ja, und was passiert wenn beide Switcher sind und gleichzeitig zu gleicher Seite switchen wollen? *grusel*...

frau: hallo clu! vielen dank für den artikel über s switchen - dem kann ich nur voll zustimmen die meisten menschen...

Das erste Mal: Eine Begegnung mit der Peitsche (16)

Clu: @Oleg: Deine gute Absicht in allen Ehren, aber den Umgang mit Schlaginstrumenten muss man m.E. nicht unbedingt...

Oleg: Nein, ich glaube nicht dass es so interessant wird zu beschreiben wie der dominante Mann seine erste Berührung...

Demütigung im BDSM - eine Interpretation (10)

Clu: Ich freue mich, dass es Menschen gibt, die mit diesen Texten was anfangen können. Grad bin ich schreibmäßig...

Warum Unterwerfung?? (11)

Clu: @Jana: Keinen Text kann man absolut setzen - auch diesen nicht! :-) Auch in DS-Beziehungen restauriert sich...

IMMER in der Rolle oder nur während der Session? (1)

Lady Jana: sehr realistisch geschrieben, ich fühle sehr ähnlich… Danke Dir für die präzise Formulierungen!