Vom Yoga der dunklen Erotik: Alle Beiträge in diesem Blog handeln von einvernehmlichem SM: physische und psychische Praktiken, die zur beiderseitigen Lust im erotischen Kontext inszeniert und erlebt werden.

Dominanz erlernen?

Die Frage, ob Dominanz “naturgegeben” oder erlernbar ist, gehört zu den häufig wiederkehrenden Themen in einschlägigen SM-Foren. Dabei betonen die einen, dass eine bloß erotische Dominanz ganz gewiss nicht ernsthaft und echt sein könne, wenn der “Dom” nicht auch im Alltag ein beruflich weit oben angesiedeltes “Alpha-Tier” sei, das vor Führungsqualitäten nur so strotzt. Für die Gegenseite ist dagegen alles lernbar, natürlich auch dominantes Verhalten – und damit sprechen sie all denen aus der Seele, die nicht mit einem Führungsjob glänzen können, aber doch gerne beim SM den aktiven Part spielen.

Dominanz ist machbar

Ich sage dazu: Dominanz im BDSM ist MACHBAR – ob man das “Lernen” nennt, ist Geschmacksache. Von der beruflichen Stellung lässt sich nicht auf die erotische Präferenz zurück schließen: schließlich neigen viele “alltagsdominante” Männer und Frauen zur Sub-Seite, um sich da endlich mal fallen lassen zu können und vom fortwährenden Regie führen zu entspannen. Weiterlesen →

Dominanz und Unterwerfung: Die begeisterte Sub

Es geht wohl vielen so, die anfangen, ihre viele Jahre weggedrückten BDSM-Fantasien auszuleben: ist endlich ein passender Partner gefunden, schwebt Sub im siebten Himmel und erlebt all das Neue als einen mitreissenden Rausch, der keinen Stein des bisherigen Lebens auf dem anderen lassen will.

Insbesondere der im “normalen Leben” für heutige Frauen gar nicht mehr in Betracht kommende, ja sogar tendenziell tabuisierte Wunsch, sich einem Mann zu “unterwerfen”, seiner Lust zu dienen und seinen Befehlen zu gehorchen, entfaltet im Fall der Erfüllung in Gestalt einer sogenannten “DS-Beziehung” einen starken Sog. Gerade WEIL frau sich überwunden hat und nun etwas ganz entgegen der allgemeinen “Moral” auszuleben bereit ist, wirkt das Neue ganz außerordentlich spektakulär und beglückend. Genau wie die Entspannung nach einer heftigen körperlichen Anstrengung sehr lustvoll sein kann, so ist auch das letztendliche Ausleben eines bisher unterdrückten Begehrens ungemein beglückend: Man hat das Gefühl, “endlich angekommen” zu sein und hält das Entdeckte nun für das eigene “wahre Wesen”. Weiterlesen →

Sich wandelnde Motive zur “Lust am Schmerz”

Immer wieder wundern sich Neulinge, dass es sich mit der “Lust am Schmerz” im BDSM nicht ganz so einfach verhält. Tatsächlich sind diejenigen eine winzige Minderheit, für die Schmerz an sich lustvoll ist – also auch die Emfpindungen bei einem kleinen Unfall, einem Schnitt in die Hand oder dergleichen.

Recht viele SM-Praktizierende können jedoch moderate Schmerzen (hauen, kneifen, beißen etc.) im Rahmen sexueller Erregung in Lust verwandeln – allerdings nur bis zu einem bestimmten Intensitätslevel: dann bricht die sexuelle Lust weg. Diese softe Variante nenne ich Sex-SM: beileibe nicht als Abwertung (wir sind schließlich nicht auf der Maso-Olympiade!), sondern um eine Unterscheidung zu haben, wenn ich drüber rede und schreibe. Weiterlesen →

Angst vor Switchern?

Immer wieder hört man in der Szene, dass Switcher nicht gemocht, bzw. aus verschiedenen Gründen abgelehnt werden. Zum einen liegt das daran, dass sich viele “Einseitige” ihren Partner einfach nicht in der anderen Rolle VORSTELLEN wollen: zu stark ist das Bedürfnis nach klaren, der EIGENEN aktuellen Neigung entsprechenden Verhältnissen, die man am liebsten auch im Alltag nicht konterkariert sehen möchte, geschweige denn ganz offiziell zur Kenntnis nehmen will.

Ein weiterer Grund der Ablehnung ist auch die Angst, dass ein Switcher-Partner, der in der Partnerschaft nur eine Seite ausleben kann, auf Dauer nicht glücklich sein könne – ein großes Problem für alle Monogamen, die selbst nicht switchen. Es erscheint also sehr vernünftig, Switcher erst gar nicht in Betracht zu ziehen, was u.a. dazu führt, dass viele ihre “anderen Interessen” gar nicht erst zugeben. Weiterlesen →

Demütigung im BDSM – eine Interpretation

Neben der “Lust am Schmerz” ist es vielfach die Demütigung, die in den submissiven Fantasien eine große Rolle spielt. Auch hier waltet das bekannte SM-Paradox: Man will, was man “eigentlich” NICHT will - und gerade das erregt.

Ich interpretiere diesen Aspekt der Neigung mittlerweile als das Verlangen eines unvollständigen Selbstwertgefühls nach Bewährung, Bestätigung, Sieg.

Das heißt gerade nicht, dass man von dieser “Unvollständigkeit” bewusst etwas wissen muss, denn auch sehr erfolgreiche und von vielen geschätzte Personen können so einen “Knacks” haben, der meist aus lang vergangenen Zeiten stammt: wie eine alte Narbe am Gemüt, die eben noch juckt, weil sie heilen will.

Und in der Praxis heilt diese Narbe dann auch, denn in der Regel erlebt Sub, dass die jeweiligen Situationen doch “bestanden” werden. Die in den Momenten der Demütigung erlebte Intensität, die teife Berührung, das irgendwie “Grandiose” am “ganz unten sein” ist im Grunde die Euphorie der Erkenntnis, dass einen das nicht etwa umbringt. Im Gegenteil, das Erlebnis kann sogar Stolz zur Folge haben, der darin wurzelt, “sowas” eben doch durchleben zu können – und NICHT daran zu verzweifeln. Weiterlesen →

Eine Frau erforscht ihre submissive Seite: Blue

Beim Gentledom gibts ein sehr spannendes, gut geschriebenes Blog von Blue: eine Frau, die über ihre BDSM-Erfahrungen schreibt und dabei all die Zweilfel, Ängste und Ambivalenzen nicht auslässt.

Blue lebt in einer langjährigen Beziehung, in der sie auch “das Spiel” mit ihrem geliebten Mann teilen kann – ABER, Ihr ahnt es sicher: es ist nicht gerade leicht, in einer vertrauten Beziehung die nötige Distanz zu erzeugen und durchzuhalten, die es erfordert, damit Sub sich auch wirklich als Sub fühlen kann. Das Wissen um die Liebe und Rücksichtnahme des Partners steht allerlei “dunklen Gefühlen” entgegen, die eine Frau gerne erleben möchte, wenn sie sich einem “Dom” hingibt. Schwierig, wenn der gemeinsame Alltag mit seinen Problemchen und Sicherheiten im Hinterkopf doch immer mitläuft!

Es ist spannend, mitzulesen, wie Blue diese Problematik erlebt und auch Wagnisse eingeht, ohne ihren Mann zu hintergehen. Mehr verrate ich hier aber nicht, dass müsst Ihr selber lesen: auf Blues Blog beim Gentledom.

Gentledom

SM-Klischees

Wie halten wir es eigentlich mit den vielerlei BDSM-Klischees? Muss Sub immer in HHH (Highheels, Halsband, Halterlose) eingekleidet sein, wogegen Top nur in schwarzer Lederhose “dommig” genug wirkt? Werden “Sklavenhaltungen” nicht im Dauergebrauch öd? Und wie oft soll sich eine Sub von der Forderung, “nichts drunter” zu tragen, beeindrucken lassen?

Manchmal finde ich es schon fast komisch, wenn BDSMler gar nicht merken, wenn sie im “Formen nachempfinden” in eine Richtung abfahren, die dem ursprünglichen Kink geradezu entgegen gesetzt ist. Weiterlesen →

SM ohne Sex ?

Die Frage nach dem “Sinn” bzw. dem Wie und Warum von SM-Sessions OHNE klassischen GV mit Orgasmus als Ende, wird häufig gestellt. Als nicht ganz ernst gemeinter Running Gag hält sich der Spruch “SMler ficken nicht” quer durch die Foren der Szene. Aber was ist wirklich dran am “SM ohne Sex”?

Ein Top stellte die Frage neulich recht konkret:

“Aber wohin führt das dann? Ich meine, man ist dann total aufgeheizt – hört man dann trotzdem einfach auf oder wie muss ich mir das vorstellen!? Geht es womöglich gar nicht um Sex? Und wenn nein, worum dann?”

Für mich kann eine Session sehr wohl geil im üblichen Sinne sein – also mit sexueller Erregung verbunden. Schmerzreize bewegen sich dann auf einem niederen Level, Ausflüge hin zu “richtig weh” sind kurz und werden schnell durch angenehmeres ausgeglichen, mit erotischen Stimuli abgewechselt.

Das ist recht nett und kann durchaus mal zu GV mit Orgasmus oder einem anderweitig herbei stimulierten Orgasmus führen. Dieser beendet dann allerdings erstmal die Lust auf MEHR, bzw. man kommt “in Verfolgung der sexuellen Erregungskurve” gar nicht in die andere Dimension des Genießens, die das Surfen auf dem “Lustschmerz”, wenn er nicht mehr nur Lust ist, ermöglicht. Weiterlesen →

BDSM und das Thema NÄHE

Ein Thema, das ich kürzlich in der SZ intensiver behandelte, will ich hier mal zur Diskussion stellen – es beginnt mit drei Fragen:

  1. Was ist Nähe? Ganz konkret: Wann fühlt Ihr Euch einem anderen Menschen nah?
  2. Ist NÄHE in Bezug auf Euer BDSM-Erleben ein BESONDERES Thema? Inwiefern?
  3. Sehnt Ihr Euch nach Nähe oder fürchtet Ihr sie? Ist SM und/oder DS für Euch ein Mittel, jemandem besonders nahe zu kommen? Oder ist es im Gegenteil eine Methode, DISTANZ zu wahren und Nähe eben NICHT erleben zu müssen?

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Vom Vertrauen im BDSM

Vertrauen ist ein im BDSM-Zusammenhang häufig missbrauchtes Wort, denn es wird gern benutzt, um ganz andere psychische Befindlichkeiten zu beschreiben.

Etwa, wenn sich zwei Menschen treffen, die sich nur aus ein paar E-Mails kennen, und nun “ohne lange Vorlaufzeit” eine Session miteinander wagen. Was Sub hier fühlt, ist nicht “Vertrauen”, sondern Hoffnung und Erlebnisgeilheit – zusammen mit der Spekulation, unter SMlern auch nicht mit größerer Wahrscheinlichkeit auf einen Psychopathen zu treffen als bei einem normalen Date. Letzteres könnte man ja noch zur Wortbedeutung von “Vertrauen” rechnen, doch wird hier nicht wirklich dem noch unbekannten Partner vertraut, sondern der allgemeinen Lebenserfahrung. (Die Konto-Zugangsdaten würde Sub ihm ja wohl nicht gleich geben, selbst wenn sie sich von ihm fesseln lässt.) Weiterlesen →