Von den Wurzeln der Neigung

Warum jemand Sadomasochist wird und ob das etwas mit der Kindheit zu tun habe, wird immer wieder gerne gefragt. Und jedes Mal stellt sich heraus: eine “allgemeine” Antwort gibt es nicht. Nicht wenige hatten als Kind Schmerz-, Gewalt- und Demütigungserlebnisse, doch viele andere erinnern sich an nichts dergleichen. Unter den Betroffenen meinen die einen, dass da vielleicht ein Zusammenhang bestünde, die anderen lehnen diese Möglichkeit vehement ab – manchmal zu vehement, um glaubhaft zu sein. Mir war immer klar, DASS meine Neigung etwas mit der Kindheit zu tun hat – aber ich wollte auch wissen, WAS!

Als Jugendliche litt ich sehr darunter, dass meine dunklen Träume so gar nicht ins feministische Weltbild passten, das gerade in Windeseile die Gesellschaft veränderte. Ich schämte mich und versuchte, das mir nicht verständliche Verlangen einfach zu ignoroieren. Es gab damals nicht viel Gelegenheit, sich zu informieren, und an Ausleben dachte ich erst recht nicht: meine Beziehungen waren immer auch ein sehr ernst gemeinter Kampf um die Macht – und Frau unterwirft sich doch nicht dem Feind! :-)

Mit den Fantasien machte ich später meinen Frieden, als ich erfuhr, wie verbreitet sie sind – auch unter Feministinnen. Auf einer großen Veranstaltung der Frauenbewegung anlässlich einer einschlägigen Buchvorstellung hatten sich 80% der Anwesenden zu masochistischen Fantasien bekannt. Ich dachte, ok, das ist also eine kollektive Macke und keine individuelle, wie schön! Dann bin ich ja nicht alleine irre und kann auch einfach Spass daran haben!
Ich erlaubte mir mein Kopfkino zur eigenen Lust, doch es dauerte noch eine ganze Weile, bis es in meinem Leben dran war, BDSM zu leben und nicht nur zu träumen.

Im Lauf der Erfahrungen, die dann folgten, kam ich zu Schlüssen, die weiter reichten als bis zur Feststellung: das hat etwas mit meiner Kindheit zu tun. Das hatte ich immer schon gewusst, es aber nicht VERSTANDEN, im Gegenteil, ich konnte mir beim besten Willen keinen Grund denken, warum ich das, was ich einmal gehasst hatte wie die Pest, nun im Reich des Erotischen begehrte! Ich verlangte nach Schmerzen, Demütigungen und Machtlosigkeit, genau das, worunter ich als Kind so gelitten hatte – unter anderem von Seiten einer rüden Kinderbande, deren kleinstes, jüngstes, zugezogenes Mitglied ich war. Warum nur? War ich nicht im Gegenteil lebenslang froh gewesen, dass das alles hinter mir lag und ich nie wieder in solche Situationen kommen würde?

Ich begriff es nicht und war umso neugieriger auf die Erfahrungen, denen ich mich jetzt lustvoll öffnete. Mit dem Akzeptieren meiner Neigung hatte ich keine Probleme mehr. Im Gegenteil, ich war glücklich, dieses wunderbare Spielfeld entdeckt zu haben, auf dem ich mich selbst und den Anderen in einer Tiefe erfahren kann, die sonst nur selten zugänglich ist. Der Kinderbande war ich im nachhinein geradezu dankbar – etwa so, wie man auch schlimmen Eltern dankbar ist, wenn man es genießt, auf der Welt zu sein.

Und BDSM war und ist mir ein Genuss! Im Zuge der “Wiederinszenierungen” im lustvollen Kontext (nicht IN den Sessions sondern davor und danach) kamen mir eine Reihe Erinnerungen an die Zeit mit der Kinderbande zu Bewusstsein, die mir einerseits “neu”, andrerseits altvertraut waren: die schöne Seite dieser Jahre! Das sinnliche in allem Tun, die Nähe zu den Elementen, die Spontaneität und Unschuld des Spielens, das Eins-Sein von Körper und Geist – und das “Wir” in diesem Hinterhof mit Wiese und Sandkasten, zu dem ich trotz aller Misshelligkeiten gehörte.

Auf einmal erinnerte ich die persönlichen Beziehungen, die ich zu den einzelnen Kindern hatte, schöne Stunden der Zweisamkeit, Momente der Nähe, gemeinsames “Pferde stehlen”…. auch ihre Vor- und Nachnamen fielen mir ein, fehlen nur noch die Geburtstage! :-)

Kurzum: jetzt, da ich dabei war, “die dunklen Neigungen” bei bester Gestimmtheit lustvoll zu inszenieren, hob sich eine Art Schleier von meiner Kindheit, die ich bisher als “reine Hölle” erinnert hatte, eine “böse Welt”, in der ich Opfer und die anderen Täter waren – und sonst gar nichts existierte.

DEM WAR NICHT SO – stellte ich plötzlich erinnernd fest. Sondern: Die guten Erinnerungen hatte ich einfach wegzensiert: das konnte ja nicht sein! Es gibt nichts Wahres im Falschen, wer ein Böser ist, kann nicht gleichzeitig ein Guter sein…. SO hatte ich meine Kindheit “bereinigt”, als mein urteilender Verstand immer mehr das Ruder übernahm. Ich behielt ausschließlich die Erinnerungen an die “Hölle” – eine folgenreiche Verzerrung der Wirklichkeit.

Im Erleben meiner dunklen Seite im BDSM fand ich die HELLE Seite meiner Kindheit wieder, die heile Seite der Welt. Seither ist ein Schatten von meiner Seele gewichen, von dessen Vorhandensein ich gar nichts gewusst hatte. Doch er war da, eine Art “Beschwerung” oder Bürde, die jetzt weg ist.

Als würde mir eine Augenbinde abgenommen, sah ich plötzlich den Sinn meines dunklen Verlangens: durch Verbindung des Gefürchteten mit Lust und Liebe das Ganze wieder finden, das immer da ist. Es gibt keine “reine Hölle” und es gab sie nie. Den Schmerz in Lust verwandeln, die Demütigung mit Demut beantworten, der Macht mit Hingabe begegnen – das wäre für das Kind in Bedrängnis kein Rezept gewesen, aber als erwachsenes Erleben bedeutete es mir die Heilung der Seele.

Das ist nun schon eine Zeit lang her und hatte durchaus Rückwirkungen auf meine Neigungen. Nach mehreren Jahren, in denen ich ausschließlich die Sub-Seite lebte, bekam ich plötzlich Lust, auch die andere Seite der Macht zu erleben. Auch sind die Sessions und Inszenierungen sinnlicher und spielerischer geworden, es ist deutlich anders als früher, wo ich mich eher “vom dunklen Drang getrieben” fühlte und aus heftigen Emotionen gleich ganze Weltbilder formte.

Beim Thema “Wurzeln der Neigung” spüre ich bei vielen eine Ablehnung gegenüber dem womöglich kindheitsbedingten Aspekt, als wäre das eine besonders unangenehme Vorstellung. Man ist lieber “veranlagt” oder denkt nicht weiter drüber nach. Ich verstehe das nicht, denn mir hat es sehr viel gegeben, die Zusammenhänge zu erhellen. Nicht grübelnd, sondern erlebend, Bilder und Erinnerungen kommen lassend, wie sie wollten – bis sich ein neuer “Film” zusammen setzte, ein “Lebensfilm”, in dem Licht und Schatten endlich in Balance sind und sogar miteinander spielen.

© Clu Maria

12 Kommentare

  1. Ich denke, das BDSM zu sehr priorisiert wird. Das ist ja immer noch UIIH! und BÄH! und all so’n Quatsch.

    Nehmen wir mal das Essen als Metapher.

    Essen ist eine biologische Notwendigkeit wie Trinken, Schlafen und Sex. Okay. Essen.

    Aber der Begriff “Essen” (also *mampf*,- nicht die Stadt) macht das Hirn nicht so schwurbelig wie “Sex”.

    Ich hab’s gerne salzig, knusprig, scharf und pikant. Lieber kurz und heiß gebraten als stundenlang zerkocht. Schlabberige Süßspeißen sind absolut nicht mein Ding,- bestenfalls ein Espresso als Dessert, lieber Fernet Branca als Jägermeister und den Champagner wünsche ich so trocken, daß er staubt. Schokolade nur mit dem BLOCK-Logo.

    So jetzt reicht’s aber auch mit der Metapher, weil ich weder mit “Natursekt” oder “Kaviar” Spaß habe. Die Fischeier sind okay, aber das war’s auch.

    Nun wisst Ihr meine Einstellung.

    En Detail:

    Es wird Zeit, dass sich eine Schere öffnet: BDSM ./. Algophilie.

    Ich bin kein Masochist, auch wenn ich gerne Klammern an den Brustwarzen habe oder auch mal liebend gerne mit Reizstrom experimentieren würde. Schläge auf die Hinterbacken können auch wohltuend sein. Aber deswegen lecke ich noch lange keine Stiefel oder trinke die Sekrete eine/r/s Herr/i/n aus dem Hundenapf.

    Wenn mein Sexpartner gerne am eigenen Körper Manipulationen erfahren möchte, bin ich Servicepartner.

    Da gibt es noch viel zu entdecken!

  2. *huuups* zu schnell abgeschickt! Da muss ich noch was interherschieben!
    Also ich sehe diese wertvolle Seite nicht als Partnersuch-Dingens. Ich find’s gut, dass man sich hier frei austauschen und unterhalten kann.

    Wichtig ist mir halt, dass zwischen Algophilie und Masochismus unterschieden wird. Ich definiere Masochismus als Unterwerfung.

    Masochismus-Beispiel: Jemand tropft Odol auf meine Genitalien.
    Algophilie-Beispiel: Ich (oder jemand anderes auf meine Bitte hin) tropft Odol auf meine Genitalien.

    Der Effekt ist der gleiche: Es brennt angenehm, macht schöne Gefühle,… egal! Wichtig ist der Unterschied!

    Da könnte man jetzt auch andere Beispiele (Klammern, Nadeln, Strom etc…) anführen. Wichtig ist nur: Regelt man selbst oder regelt jemand anderes?

    Masochismus ist Selbstaufgabe. Man gibt sich auf und überläßt die Herrschaft anderen.

    Kommen wir wieder zur Metapher “essen” zurück. Ich dosiere die menge des Chili-Pulvers selbst.

    Vielleicht hilft’s ja, diese Denkung mal zu denken.

    Danke für Deinen Beitrag,- wären da nicht so viele Parallelen zu meinem Leben gewesen, hätte ich nicht geschrieben.

    Good Luck!

  3. Es scheint dir ja wichtig, dich abzugrenzen. Leider verwendest du die Begriffe in etwas verworrener Manier – informiere dich doch einmal, z.B. hier

    http://de.wikipedia.org/wiki/BDSM

    Zitat: “Alle Varianten des BDSM haben gemeinsam, dass sich die Beteiligten freiwillig aus ihrer Gleichberechtigung in ein sehr ausgeprägtes Machtgefälle begeben. Der devote Partner gibt einen bestimmten Teil seiner Autonomie auf und übergibt sie dem dominanten Partner (Power Exchange). Beide Beteiligten erzielen daraus einen Lustgewinn. Der dominante Partner wird auch Dom oder Top genannt, der devote Partner auch Sub oder Bottom. ”

    Es wird in der allgemeinen Debatte zwischen dem DS-Aspekt (Dominanz und Unterwerfung) und dem SM-Aspekt (Schmerzen zufügen, Schmerzen genießen) unterschieden, wenn sie auch oft zusammen vorkommen.

    Ein Aktiver, der nur “Dienste leistet” verfehlt allermeist die Sehnsüchte von Sub, die/der ja gerade will, dass Top “die Macht hat”, sich ausgeliefert und machtlos fühlen will – DAS ist gerade der Kick!

  4. Ich als Änfangerin,wenn ich das so überhaupt schon nennen mag finde deine Berichte sehr tiefgründig und bin froh endlich etws für mich brauchbares lesen zu können. Wie du so schön sagst genießt man erst dieses Kopfkino. Doch die Realität sind anders aus. Kann nur noch mal sagen,,HUT AB,, bin sehr beeindruckt von dem was ich bisher gelesen habe. Zum oberen Kommentar- Ich denke auch die freiwillige Basis muß gegeben sein

  5. Pingback: Ein schlechtes Gewissen wegen SM-Fantasien? » Clus BDSM-Blog vom Yoga der dunklen Erotik

  6. Deine Inhalte und Dein Schreibstil gefallen mir und sprechen mich sehr an. Ich finde auch die Fülle und den Umfang Deiner gesammelten Werke beeindruckend. Du nimmst Dir viel Zeit Deine Gedanken auch aufzuschreiben, dafür bin ich zu faul bzw. will mir dafür auch keine Zeit nehmen. Im Forum der SZ lese ich gerne, bin aber über die mangelnde Disziplin oft verärgert. Allzu viele geben ihren Senf unreflektiert dazu und schaden dem Ideal von Toleranz und Offenheit.
    Werde öfter mal bei Dir reinlesen, Du hast prima Anregungen.

    LG Der Knecht

  7. Liebe Maria,

    habe von der Diskussionsseite in der SZ hierher gefunden. Bei Manchem, das ich hier lese, kann ich mich wiederfinden.

    SM (jetzt mal als pars pro toto für alle Schattierungen gesetzt) beschäftigt mich schon seit meiner Kindheit, eigentlich schon, bevor mir die sexuellen Bezüge bewußt wurden (ich sag mal nur “Fesselspiele”).

    Ich fand’s erregend – aber auch peinlich. Daß auch Schmerzen (über das Fesseln hinaus) lustvoll sein können, wurde mir erst später klar.

    Über Sex im Allgemeinen, geschweige denn seine spezielle Spielarten, wurde zuhause nicht geredet. Wie das Ganze von seiner “technischen” Seite her funktioniert, habe ich erst im Biologieunterricht erfahren.

    Auch mich hat natürlich immer wieder das “Warum, weshalb, wieso” beschäftigt. “Hitverdächtig” ist ein Unfall, den ich mit 14 Monaten hatte (jegliche eigene Erinnerung fehlt natürlich, ich kann mich insoweit nur auf Erzählungen meiner Mutter stützen): ich zerrte eine Schüssel frisch gekochten Wassers vom Tisch, was mir ausgedehnte Verbrühungen dritten Grades auf der Brust und dem rechten Arm (die Narben erinnern mich bis heute daran) sowie 18 Wochen Krankenhaus einbrachte. Ich vermute, daß man mich teilweise fixierte, damit ich nicht die Verbände herrunterriß. Eine weitere Vermutung ist, daß etwas in meinem Hirn den Schmerz mit Lust assoziierte, damit es aushaltbar blieb.

    Ein anderer Aspekt könnte sein, daß ich schon in einem kindlichen Alter glaubte, mehr Verantwortung tragen zu müssen, als einen kleinen Jungen eigentlich gut tut: meine Eltern fetzten sich viel, meine Mutter nutzte mich oft als ihren seelischen Mülleimer. Irgendwie habe ich mich immer um meine Kindheit betrogen gefühlt und lange gebraucht, erwachsen zu werden. Vielleicht kommt daher meine Sehnsucht nach einer starken, dominanten Frau: Verantwortung abgeben können.

    Es hat lange gebraucht, bis SM über das Kopfkino hinaus ein wenig Realität erhielt. Vor einem Jahr entdeckten eine Frau, die ich aus anderem Zusammenhang schon eine Weile kannte, und ich, daß wir ähnliche Gelüste haben. “Leider” steht auch sie eher auf der maso-Seite, ist aber bereit zu spielen. Der äußeren Umstände geschuldet, ist es nur selten möglich.

    Denn eines ist mir über die Jahre auch klar geworden: so sehr mich SM einerseits erregt, so sehr suche ich eigentlich vorrangig “Liebe und “Nestwärme”.

    Insgesamt: ein vielschichtiges Thema. Finde es spannend, auf Deine Seite gest0ßen zu sein.

    Liebe Grüße
    Bischleber

  8. StabReim (tough_ntender) Montag, 12. Januar 2009 um 21:04

    @Clu Maria

    Es ist eine Freude zu lesen, dass deine Expeditionen in deine Kindheit dich wieder “ganz” gemacht haben, wie du schreibst. Dennoch: das ist nur eine von vielen Möglichkeiten. Ich denke, dass BDSM zumindest in seiner sexuellen Ausprägung genau das ist: eine Prägung, eine Verknüpfung von Gewalt und Macht (und ihrem Gegenüber) mit erotischen Empfindungen. Ich bin sicher, dass diese Verknüpfung längst nicht notwendiger Weise einem Zusammenhang aus Abwehr und/oder Widerstand folgt. Insoweit ist es wohl doch eher Zufall, dass für dich dein wieder vollständig Werden mit deinen kindlichen Gewalterfahrungen so eng verknüpft ist.

    Etwas anderes ist es, BDSM losgelöst von erotisch-sexuellem Kontext zu erleben. Ich denke, dass dieses Erleben eine eigene Qualität noch hat, die anderen Bedürfnissen entspringt als den sexuellen. Ich teile ausdrücklich nicht die Vorstellung davon als “Perversion”, also einem Triebersatz, wie sie die klassische Psychoanalyse anbietet. Ich denke vielmehr, dass das sich aufgehoben Wissen nach einer Auseinandersetzung mit Macht und Verantwortung des Mächtigen eine menschliche Urerfahrung ist, wobei die Formen der Macht sicherlich in patriarchalischen Gesellschaften andere sind als in einem Matriarchat, obwohl sie dieselben Intensitäten haben.

    Die Auseinandersetzung, um die es in diesem Widerstreit geht, ist gleichwohl immer dieselbe: es ist der Streit zwischen Autonomie und Abhängigkeit, der, einmal entschieden, das Ende der ANGST bedeutet.

    Das erhärtet meine Auffassung, die ich an anderer Stelle in deinem blog dargestellt hab: alle “Spielarten” menschlichen Erlebens, die sich in den verschiedensten Ausprägungen von BDSM wiederfinden, setzen sich auseinander mit den möglichen Formen menschlicher Beziehung. Es ist offenbar das, was unsere Persönlichkeit am intensivsten formt: wie wir in Beziehung mit anderen Menschen leben.

    Es scheint so zu sein, dass wir trotz allem Lernen und uns Entwickeln keine “leere Tafel” sind, wenn wir ins Licht der Welt treten. Und gewiss spielen unsere Erfahrungen von und mit anderen Menschen eine große Rolle in unserer Entwicklung. Dennoch: “was” aus uns wird auf diesem Weg, den wir mit einer Grundausstattung schon antreten, ist letztlich nicht festgelegt und scheint sich in vieler Hinsicht schicksalhaft zu festigen, oft aus Anlass von Schlüsselerlebnissen, die eine tiefreichende Einfärbung unserer Persönlichkeit hinterlassen.

    Folgt man dieser Vorstellung, dann ist unsere Neigung Folge und Teil unseres Lebens, und das “Unerhörte” daran ist ausschließlich Konvention. Das bedeutet, dass wir mit unserer Neigung nicht hausieren gehen müssen, aber das selbstverständliche und unveräußerliche Recht auf sie haben, genau so, wie ein Mensch mit anderer Orientierung.

    Diese Schlussfolgerung ist sicherlich unspektakulär, aber ich finde, dass wir nicht spektakulärer sind als irgendjemand sonst. Erst mit der Anerkennung des gleichwertig und natürlich Seins unserer Neigung wird man uns gerecht, und es braucht keine Erklärung dafür, dass wir so sind, wie wir sind (auch wenn die Antwort auf diese Frage sehr spannend und erhellend sein kann).

    Es bleibt am Ende die Feststellung, dass die Frage nach den Wurzeln unserer Neigung die Frage nach dem Werden von menschlichem Sosein überhaupt ist. Wir sind so geworden, wie alle Menschen sie selbst werden. Und das, was wir geworden sind, ist so natürlich und wertvoll wie irgendeine ander Art menschlicher Beziehungsvorlieben.

    SR

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