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Vom Yoga der dunklen Erotik: Alle Beiträge in diesem Blog handeln von einvernehmlichem SM: physische und psychische Praktiken, die zur beiderseitigen Lust im erotischen Kontext inszeniert und erlebt werden.

Kann man Lustschmerz lernen?

Dezember 5th, 2010 Clu Maria

Ja, ich bin überzeugt, dass man nahezu jedem, der sich aufgeschlossen dem Experiment hingibt, den viel gerühmten “Lustschmerz” vermitteln kann. Schließlich praktizieren auch manche Sauna-Freunde das Auspeitschen mit Fichtenzweigen nach dem Schwitzen - und genießen es, obwohl es für unbedarfte Dritte durchaus nach “aua!” aussehen kann.

Lernbar ist aus meiner Sicht allerdings wirklich nur “Lust-Schmerz” - und nicht die nur bestimmten Menschen zugängliche Variante, bei der Bottom den Schmerz “als Schmerz” und das eher heftig erleben will, also über die Grenze hinaus gegangen wird, wo noch “Erotisierung” möglich ist.

Lustschmerz im gemeinten Sinn ist einerseits der, der z.B. bei relativ sanften Schlägen und gleichzeitiger/abwechselnder sexuellen Stimulation die Geilheit steigert. Weiter rechne ich auch jene “schlagende Behandlung” dazu, bei der Geilheit nicht im Vordergrund steht, sondern die Schläge als “heftige Massage” ankommen und dann nach einigem “Anwärmen” gesteigert werden, wobei sich die Schmerzempfindungsschwelle ebenfalls anhebt. Was zu Beginn noch recht schmerzhaft empfunden worden wäre, ist auf einmal angenehm und wird “rauschhaft genossen”.

Diese Art Genuss kann jeder, der sich drauf einlässt, lernen. Denn es handelt sich um rein physiologische Vorgänge (Endorphinausschüttungen etc.), die von der Psyche nicht mehr brauchen als ein “Ja, das will ich probieren!” und das Wissen, bzw. die Anweisung, dass maximale Entspannung der betroffenen Muskeln der Türöffner zum Genießen ist. Sich verspannen bedeutet mehr Schmerz, entspannt man sich, tritt der Massagecharakter in den Vordergrund.

Was nicht lernbar ist, ist das vielen masochistisch und/oder submissiv Geneigten vertraute Verlangen, “ganz unten” zu sein, also mittels grenzwertiger Behandlungen über den Genusslevel hinaus geführt zu werden: in jene Gefilde, wo Bottom echtes Leid erlebt und vielen dunklen Gefühlen begegnet: Wut, Trotz, Verzweiflung, Tränen etc.

Ebenfalls nicht lernbar ist die (seltene) Fähigkeit weniger Masos, auch heftige Schmerzen locker in Geilheit zu wandeln, womöglich dadurch zum Orgasmus zu kommen. Diese Art der Neigung ist allerdings auch wirklich selten - ganz anders, als viele glauben, die meinen, Masochist sei jemand, der durch echten Schmerz ganz ohne weiteres Lust empfinden kann.

Siehe dazu auch

Die Lust am Schmerz braucht den kundigen Top;

Von der Lust am Schmerz (lang!)

*

3 Antworten zu “Kann man Lustschmerz lernen?”

  1. Schlafzimmer Blog sagt:

    Also ich habe bisher nur gelernt einen Klaps auf den Po anregend zu finden ^

  2. Judoc sagt:

    Lernen?

    Hmmm…ich glaube, daß mit dem “Lernen” ist so eine ganz eigene Sache. Vlt. ist auch der Begriff “Lernen” mißverständlich im allgemeinen Sprachgebrauch. Ich denke Erfahrbar und Kultivierbar beschreibt es verständlicher.

    Sich einer solchen Erfahrung gegenüber offen zu zeigen, diese Erfahrung machen, sie für sich als interessant, erregend oder als Bereicherung zu empfinden und im Weiteren, sich hierin weiter vorwagen?

    ;-)

  3. sublime sagt:

    Es gibt sowas wie ein Schmerzgedächtnis. Siehe Literatur zu Neurologie, z.B.
    http://www.rueckenzentrum-diez.de/ihrefragen/glossar/index.html

    Nervenzellen können lernen. Wenn wir ein Gedicht auswendig lernen wollen müssen wir es ständig widerholen; wenn Schmerzen immer wieder auftreten werden auch diese Lernvorgänge auslösen.
    Akute Schmerzen sind überlebenswichtig, sie bewahren uns vor Schaden. Bei immer wieder auftretenden Schmerzen lenkt das Gehirn seine Aufmerksamkeit darauf: Da ist irgendetwas nicht in Ordnung, da muss ich mal genauer hinschauen. In der Folge wird die Schmerzschwelle am Ort der Schmerzen erniedrigt, die Schmerzimpuls zum Hirn anderen Impulsen vorgezogen und schneller zum Hirn geleitet. Und auch das neuronale Netzwerk im Hirn ändert sich: so werden schmerzhafte Areale auf der Hirnoberfläche größer repräsentiert.

    Neben der Änderung des neuronalen Netzwerkes gibte es biochemische Veränderunge der Nervenzellen und der Synapsen, eine Anpassung der Schmerzsensoren an immer wiederkehrende Reize.

    Wenn Schmerz- mit Lustgefühl gekoppelt sind und die Schmerzen so dosiert werden, dass das Lustempfinden noch erhalten bleibt, kann der neuronale Lerneffekt dazu führen, dass man schließlich noch bei Schmerzen Lust empfidet, die man früher unaushaltbar und abtörnend fand.

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