Vom Yoga der dunklen Erotik: Alle Beiträge in diesem Blog handeln von einvernehmlichem SM: physische und psychische Praktiken, die zur beiderseitigen Lust im erotischen Kontext inszeniert und erlebt werden.

BDSM versus Alltag: Was ist Dominanz ?

In BDSM-Foren herrscht oft eine rechte Begriffsverwirrung, wenn es um Dominanz geht. Die Wortbedeutung, wie sie im Alltag gang und gäbe ist, verliert sich manchmal vollständig, da man aus der Neigung heraus leicht dazu kommt, Dominanz zu feiern und zu glorifizieren. Deshalb hier mal meine persönliche Meinung zur Dominanz an sich im Unterschied zur Dominanz, wie sie zwischen Dom und Sub allermeist in Frage steht.

Dominant ist, wer eine Situation nach eigenem Willen zu gestalten vermag. Ob das durch subtile “weibliche” Signale, durch klare Befehle, durch “die bessere Idee”, durch hohen Einsatz an Arbeitskraft oder Geld geschieht, ist für die Stimmigkeit der Begriffsverwendung egal. Weiterlesen →

Wo hört Toleranz in Sachen SM auf ?

Für mich ist das ganz einfach: dort, wo Menschen sich selbst oder einem Anderen bleibende Verletzungen zufügen, die keinen Weg zurück offen lassen. Für mich gehört es zur Menschenwürde, dass die Zukunft eines jeden Individuums OFFEN ist: wenn ich morgen an dieser oder jener Praxis keine Freude mehr habe, dann lasse ich es eben sein – und wenn ich mit einem Partner nicht mehr einverstanden bin, dann verlasse ich ihn. Und zwar auch dann, wenn ich neulich noch ganz anderes erzählt haben sollte: die Freiheit des UMDENKENS und anders Handelns gehört für mich untrennbar zur menschlichen Freiheit.

Alles, was diese Freiheit negiert und verunmöglichen will, empfinde ich als zutiefst abscheulich. Und diejenigen, die derlei Extreme im Rahmen einer “ist doch alles erlaubt, wenn beide einverstanden sind”-Moral verteidigen, halte ich für Wegbereiter einer absolut düsteren, barbarischen Welt, in der es keine gemeinsamen Werte mehr gibt und jegliche Ethik verschwunden ist. Weiterlesen →

Konsens und Meta-Konsens im BDSM

Bei kaum einem Thema gibt es solche Kontroversen und Missverständnisse wie in Bezug auf den berühmten “Konsens”, der dem gemeinsamen Ausleben der Neigung voraus geht, bzw. dazu gehört wie die Luft zum Atmen. Ohne Konsens kein BDSM: wer als Sub nicht damit einverstanden ist, im gesetzten Rahmen z.B. Schmerz oder Demütigungen zu erleben, der ist ganz klar ein Opfer von Straftaten, wenn solches dennoch geschieht. Denn allein die Einwilligung ist es, die den Unterschied zur Straftat (z.B. Körperverletzung, Nötigung etc.) ausmacht. Wird sie entzogen, muss alle Aktion enden – rein rechtlich ist das so, egal ob man nun “mit oder ohne Stoppwort spielt”.

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Von der Stimmung einer SM-Com

In welcher? Na, da es nur eine wirklich große gibt, ist das eigentlich klar – und doch ganz unwichtig, denn meine Frage geht nicht in Richtung “Community-Politik” oder gar Marketing.

Ich frage mich, ob mein Eindruck nur zufällig ist, oder ob es stimmt, dass in SM-Communities eine stärkere Tendenz zu schlechter Stimmung herrscht als anderswo. Man liest ja nur Texte und projiziert automatisch viel in die Personen und Gespräche hinein, kann da also oft ganz schief liegen. Und doch scheint es mir, als sei da mehr Misstrauen, mehr Agressivität, mehr Angst, dass einem jemand an den Karren fährt, mehr Neid, Missgunst und Nach-vorne-Verteidigung als in anderen Erotik- und Special-Interest-Coms. Weiterlesen →

Schuldgefühle wegen SM-Fantasien?

Immer noch erreichen mich gelegentlich E-Mails und private Nachrichten, in denen mir Menschen erzählen, welche Schwierigkeiten sie damit haben, die eigenen Fantasien zu akzeptieren und sich darüber klar zu werden: Ja, auch ich bin ein SMler und gerne würde ich dies und jenes mal ausprobieren!

Viele beschränken sich jahrelang aufs Surfen im Internet, lesen Webseiten und Bücher, verfolgen Forendiskussionen und blättern durch Profile – aber kein Mucks, keine Aktivität, kein “erster Schritt” Richtung Realität folgt dem bloßen Konsumieren virtueller Inhalte. Weiterlesen →

Kitzeln – ist das schon SM?

Kitzlige Situation - Foto von Madame La BelleWährend mancher, der auf Kitzeln und gekitzelt werden (engl. tickling) steht, sich diese Frage stellt, scheiden sich unter SMler/innen die Geister, ob das vermeintlich harmlose Vergnügen denn “noch” zu SM zu zählen sei: schließlich macht das jeder mal, der Partner wird eine wenig geneckt und provoziert und im darauf folgenden erotischen “Nahkampf” wird schon auch mal gekitzelt, was das Zeug hält.

Als ich kürzlich eine Diskussion darüber mitlas, hat mich nicht wenig gewundert, dass manche Menschen, die kein Problem damit haben, sich fesseln und schlagen zu lassen, beim Kitzeln völlig “aus der Rolle fallen”: Da ist Schluss mit lustig und Ende der Fahnenstange in Sachen “submissiver Hingabe” – Kitzeln ist eben nicht jedermans/jederfraus Sache. Vermutlich, weil es tatsächlich schlecht erotisierbar ist, weil es der genitalen Erregung zuwider wirkt – oder was meint Ihr? Weiterlesen →

BDSM / Session-Kommunikation: Was sagt Sub?

Dies ist die Fortsetzung des Artikels “BDSM / Session-Kommunikation: Was reden in einer Session?”, der nach ein paar einführenden Überlegungen vor allem die Möglichkeiten “dominanter Ansprache” untersucht und mit Beispielen unterfüttert hat.

*Wie sieht es nun auf der Sub-Seite aus? Ist es für den (vermeintlich) “passiven” Part etwa angesagt, vor sich hin zu schweigen, nur auf Aufforderung zu sprechen, und sorgsam darauf bedacht zu sein, ja nichts Falsches zu sagen?

Anfänger machen das oft so, was aus der Unsicherheit auf dem neuen Erlebnisfeld auch recht verständlich ist. Sub fühlt sich erstmal nicht frei, zu tun und zu sagen, wonach sie sich gerade fühlt, sondern bemüht sich, “eine gute Sub” zu sein. Was das jeweils sein soll, wird jedoch oft genug nicht aus den Anweisungen des Gegenübers abgeleitet, sondern aus Vorstellungen, die irgendwo angelesen wurden: von der “Geschichte der O” bis hin zu den Foren der “Sklavenzentrale”.

Dabei ist die “Geschichte der O” das Werk einer nicht-mal-SMlerin, die mit extremen Fantasien einen ganz konkreten Mann an sich fesseln wollte – von “Realisierung” keine Spur! Und in den genannten Foren überwiegen bei weitem diejenigen, die darüber reden, wie sie sich SM VORSTELLEN, da ihnen reale Praxis noch weitgehend fehlt. Kopfkino-Inhalte hier wie dort! Fragt man aber Paare, die länger zusammen sind, schmunzeln sie in der Regel über die Zeit der “krampfhaft guten Sub”, die nicht mal lachen durfte, weil Dom sonst Angst bekam, nicht Ernst genommen zu werden.

Es hilft, sich klar zu machen, was die wesentlichen Aspekte der Sub-Seite sind: Weiterlesen →

BDSM / Session-Kommunikation: Was reden in einer Session?

Es gibt viele verschiedene Arten, BDSM zu leben: keine ist richtig oder falsch, nur die Beteiligten müssen “miteinander können”. Der folgende Artikel wendet sich vor allem an diejenigen, die rund um das sadomasochistische Spielen mit Schmerz und Unbequemlichkeit (SM) einen psychischen Rahmen von Dominanz und Unterwerfung (DS) benötigen, um in Stimmung zu kommen, bzw. zu bleiben: ein Aspekt, der ohne Reden nicht auskommt, was vielen Einsteigern aber erst mal schwer fällt. (Man sehe mir bitte den Sprachgebrauch nach, der von MaleDom und FemSub ausgeht – geschlechtsneutrale Formulierungen finde ich einfach unschön und sperrig.)

Vom Sinn des Sprechens

SM und mehr noch DS finden vor allem im Kopf statt, darüber sind sich die meisten einig. Das liegt daran, dass eine äußere Handlung auf vielfältige Weise interpretiert werden kann, was sich am Ruderboot-Beispiel leicht zeigen lässt:

Ein SM-Paar auf dem See: der Mann rudert, die Frau sitzt nur da und schaut in die Landschaft. Wer dominiert diese Situation? Der Mann, weil er mittels der Ruder die Richtung und Geschwindigkeit bestimmt, also die (physische) Kontrolle hat? Oder die Frau, die ihren Sub die Arbeit machen lässt und nur ansagt, wo es lang geht? Allein vom Anblick her lässt sich das nicht entscheiden. Weiterlesen →

Wenn Schmerz zur Massage wird

Flag-SzeneJemand, der mit dem Joggen anfängt, kann bekanntlich furchtbar unter der Anstrengung und ungewohnten Bewegung leiden, doch wenige Monate später ist die morgendliche Jogging-Runde zum Lusterlebnis geworden: Man kann danach süchtig werden, sagen viele, die gerne laufen.

Der Körper passt sich im Lauf der Zeit an, lernt, aus der neuen Anforderung das Beste zu machen und schüttet hilfreiche Hormone aus, die die ehemals schmerzliche Anstrengung angenehm machen.

“Fliegen” ist manchmal nicht genug

Nicht viel anders ist es mit den Formen masochistischer Lust: Es ist LERNBAR, eine Flag-Session zu genießen. Mit zunehmender Übung und einem kompetenten Top hebt sich die Schmerzschwelle: Was früher nur weh tat, wird zur angenehmen Massage – und wenn das auf dem Level hoher Intensität passiert, machen die ausgeschütteten Endorphine das ganze zu einem beeindruckenden Rauscherlebnis. Manche nennen es “Fliegen”.

Eigentlich wunderbar – oder nicht? Die einen laufen Marathon, die anderen haben Freude am Gehauen werden, wo ist das Problem? Weiterlesen →

Am Ende des “Wegs”?

Immer wieder begegne ich der “Weg-Metapher”, vornehmlich in Äußerungen von Submissiven: “Es ist ein schwerer Weg, den ich gehe, es wird hart werden!”, “mein Herr begleitet mich sehr einfühlsam auf meinem Weg”, “ich bin auf dem Weg, eine perfekte Sklavin zu werden” – usw. usf.

Mir persönlich hat diese Art “Weg-Verständnis” nie viel gesagt. Ich habe mir nie gewünscht, dass mein Partner mich in irgend einer Weise “ziel-orientiert” verändern möge – und von selber kam auch keiner auf die Idee. Schließlich findet man sich, weil einem der Andere gefällt, wie er ist. Muss man denn erst “einen Weg gehen”, um sich miteinander glücklich zu fühlen? Wohl kaum, man würde von vorne herein einen anderen Partner wählen, oder nicht? Weiterlesen →