Vom Yoga der dunklen Erotik: Alle Beiträge in diesem Blog handeln von einvernehmlichem SM: physische und psychische Praktiken, die zur beiderseitigen Lust im erotischen Kontext inszeniert und erlebt werden.

Schuldgefühle wegen SM-Fantasien?

Juni 18th, 2008 Clu Maria

Immer noch erreichen mich gelegentlich E-Mails und private Nachrichten, in denen mir Menschen erzählen, welche Schwierigkeiten sie damit haben, die eigenen Fantasien zu akzeptieren und sich darüber klar zu werden: Ja, auch ich bin ein SMler und gerne würde ich dies und jenes mal ausprobieren!

Viele beschränken sich jahrelang aufs Surfen im Internet, lesen Webseiten und Bücher, verfolgen Forendiskussionen und blättern durch Profile - aber kein Mucks, keine Aktivität, kein “erster Schritt” Richtung Realität folgt dem bloßen Konsumieren virtueller Inhalte.

Warum ist das wohl noch immer so? Viele “gestandene SMler” klagen doch länger schon darüber, dass BDSM zur Modeerscheinung geworden sei: Jeder “Vanilla” meine, wenn er mal ein bisschen Lust auf “Fesseln und Popo klatschen” habe, wär’ er schon ordentliches Mitglied bei den “Perversen” und könne eine dicke Lippe riskieren, was denn nun der “einzig wahre BDSM” sei.

Diese Klage halte ich für falsch und auch recht überheblich. Es ist doch gut, wenn die scharfe Abgrenzung zwischen “Nomalsex” und BDSM verschwindet, die sowieso immer schon sehr willkürlich war. Denn viele praktizieren im Rahmen ihrer Erotik durchaus Elemente, die zu SM zu zählen sind, nennen es aber nicht so. Kreative Erotik ist ein weites Feld, auf dem zu surfen Freude macht. Experimente in die eine oder andere Richtung fallen dann umso leichter, je weniger soziale Verschubladungen damit verbunden sind: weder Glorifizierung noch Diskriminierung, sondern einfach Lust an der Sache - DAS wäre für mich der Idealfall!

*

3 Antworten zu “Schuldgefühle wegen SM-Fantasien?”

  1. Sims sagt:

    Unglaublich gute Texte - gerade für sehr unerfahrene Interessierte wie mich. Vielen vielen Dank für das tolle Blog!

  2. Luxurio sagt:

    Sehr wahr! Schubladendenken ist wirklich eine mitunter lästige Angelegenheit. Allerdings ist Schubladendenken auch eine Form geistiger Ordnungshilfe und unterstützt bei der Organistation und Analyse des eigenen Gefühlskosmos. Und elitäres Denken und das Gefühl von Exklusivität war sowieso schon immer reizvoll für den Menschen.

  3. briseis sagt:

    Liebe Clu!

    Ich lese immer wieder begeistert deine gescheiten Gedanken!
    Vielleicht könntest du über das Thema “Fantasien und Schamgefühle darüber” noch etwas schreiben. Ich habe schon einiges darüber gelesen, doch es gibt noch Erklärungsbedarf.
    Schamgefühle wegen Non-con Fantasien oder sogenannten Giftschrankfantasien treten doch bei vielen Menschen auf. Warum? Es sind doch nur Fantasien, die tun keinem etwas! Spannend!
    Liebe Grüße Briseis

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