Vom Yoga der dunklen Erotik: Alle Beiträge in diesem Blog handeln von einvernehmlichem SM: physische und psychische Praktiken, die zur beiderseitigen Lust im erotischen Kontext inszeniert und erlebt werden.

BDSM versus Alltag: Was ist Dominanz ?

August 13th, 2008 Clu Maria

In BDSM-Foren herrscht oft eine rechte Begriffsverwirrung, wenn es um Dominanz geht. Die Wortbedeutung, wie sie im Alltag gang und gäbe ist, verliert sich manchmal vollständig, da man aus der Neigung heraus leicht dazu kommt, Dominanz zu feiern und zu glorifizieren. Deshalb hier mal meine persönliche Meinung zur Dominanz an sich im Unterschied zur Dominanz, wie sie zwischen Dom und Sub allermeist in Frage steht.

Dominant ist, wer eine Situation nach eigenem Willen zu gestalten vermag. Ob das durch subtile “weibliche” Signale, durch klare Befehle, durch “die bessere Idee”, durch hohen Einsatz an Arbeitskraft oder Geld geschieht, ist für die Stimmigkeit der Begriffsverwendung egal.

Im DS-Kontext werden gerne Eigenschaften, die für sich genommen nichts mit Dominanz zu tun haben, in den “Dom” hinein gelegt bzw. hinein gewünscht. Z.B. Souveränität: jemand kann ganz souverän still in der Ecke sitzen bleiben, egal was passiert. DOMINANT ist er deshalb aber nicht. Dasselbe gilt für Konsequenz, persönliche Integrität und viele andere schöne Eigenschaften, die einen Menschen attraktiv machen, die aber nicht mit DOMINANZ gleichzusetzen sind.

Es gibt also auch die Dominanz egozentrischer, machtgeiler Idioten, die nichts auf dem Kasten haben, es aber durch ihr Auftreten verstehen, andere zum Schweigen zu bringen und ihr Ding durchzuziehen.

Dominanz ohne entsprechende inhaltliche Substanz (z.B. Können, Wissen, situative Kompentenzen) ist mir regelmäßig unsympathisch. Dominanz mit “nichts dahinter” überschreitet zudem schnell die Grenze zur Lächerlichkeit.

Dominanz im DS-Kontext

Als Sub GEBE ich meinem Partner die GELEGENHEIT, die Situation zu dominieren, indem ich meine Bereitschaft aktualisiere, ihm zu folgen. Gerne bis hin zur Grenze, an der ich tatsächlich genervt bin: DA beginnt dann die eigentliche sadomasochistische Interaktion, denn nun geht es darum, wie er sich dennoch durchsetzt, bzw. wie er auf ein nicht-kooperatives Verhalten reagiert. Als “renitente Sub” bin ich gleichwohl noch immer psychisch-geistig im “Sub-Space”, wie das manche nennen, denn mir ist klar, dass dieser “Ungehorsam” einen Verstoß gegen den konsensuell weiter bestehenden Rahmen (das Machtgefälle) darstellt. Dem entsprechend ist es in diesem Rahmen in Ordnung, wenn er auf solches Verhalten “strafend” oder auch überwältigend reagiert - schließlich ist es das, was uns beiden neigungsbedingt Lust verschafft (jedoch nicht immer eine sexuelle Lust).

Im BDSM-Kontext handelt es sich also um eine “verliehene Dominanz” - mit der es vorbei ist, wenn ich meine Sub-Seite wieder in den Hintergrund verschwinden lasse und wieder “ganz normal” über die Dinge des Alltags mit meinem Liebsten partnerschaftlich verhandle.

Natürlich gibt es auch Paare, die das “Machtgefälle” auf die ganze Beziehung ausweiten (es sind aber weniger, als man denkt, wenn man Foren mitliest. :-) Auch in dieser Form von Beziehung handelt es sich immer noch um eine “vereinbarte” Hierarchie. Wäre dem nicht so, fiele diese Beziehung begrifflich aus BDSM heraus und wäre nichts anderes als z.B. eine Vanilla-Beziehung, in der der Mann das Sagen hat oder “unterm Pantoffel steht”.

Mehr zum Thema:
Reale Macht?
Konsens und Metakonsens im BDSM

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