Vom Yoga der dunklen Erotik: Alle Beiträge in diesem Blog handeln von einvernehmlichem SM: physische und psychische Praktiken, die zur beiderseitigen Lust im erotischen Kontext inszeniert und erlebt werden.

Zum Thema "Motive, Wurzeln, Hintergruende"

Wenn Schmerz zur Massage wird

April 9th, 2008 Clu Maria

Flag-SzeneJemand, der mit dem Joggen anfängt, kann bekanntlich furchtbar unter der Anstrengung und ungewohnten Bewegung leiden, doch wenige Monate später ist die morgendliche Jogging-Runde zum Lusterlebnis geworden: Man kann danach süchtig werden, sagen viele, die gerne laufen.

Der Körper passt sich im Lauf der Zeit an, lernt, aus der neuen Anforderung das Beste zu machen und schüttet hilfreiche Hormone aus, die die ehemals schmerzliche Anstrengung angenehm machen.

“Fliegen” ist manchmal nicht genug

Nicht viel anders ist es mit den Formen masochistischer Lust: Es ist LERNBAR, eine Flag-Session zu genießen. Mit zunehmender Übung und einem kompetenten Top hebt sich die Schmerzschwelle: Was früher nur weh tat, wird zur angenehmen Massage - und wenn das auf dem Level hoher Intensität passiert, machen die ausgeschütteten Endorphine das ganze zu einem beeindruckenden Rauscherlebnis. Manche nennen es “Fliegen”.

Eigentlich wunderbar - oder nicht? Die einen laufen Marathon, die anderen haben Freude am Gehauen werden, wo ist das Problem?

Am Ende des “Wegs”?

April 3rd, 2008 Clu Maria

Immer wieder begegne ich der “Weg-Metapher”, vornehmlich in Äußerungen von Submissiven: “Es ist ein schwerer Weg, den ich gehe, es wird hart werden!”, “mein Herr begleitet mich sehr einfühlsam auf meinem Weg”, “ich bin auf dem Weg, eine perfekte Sklavin zu werden” - usw. usf.

Mir persönlich hat diese Art “Weg-Verständnis” nie viel gesagt. Ich habe mir nie gewünscht, dass mein Partner mich in irgend einer Weise “ziel-orientiert” verändern möge - und von selber kam auch keiner auf die Idee. Schließlich findet man sich, weil einem der Andere gefällt, wie er ist. Muss man denn erst “einen Weg gehen”, um sich miteinander glücklich zu fühlen? Wohl kaum, man würde von vorne herein einen anderen Partner wählen, oder nicht?

Von SM und Liebe, Wunschzettel und Standardprogramm

Februar 1st, 2008 Clu Maria

Immer wieder taucht in den Foren und SM-Communities die Frage auf, wie sich denn Liebe in einer BDSM-Beziehung auswirkt: Kann der dominant-sadistische Partner noch wirklich “böse & gemein” sein, wenn er Sub doch liebt und ihr Wohlergehen ihm wichtig ist ?

Ein anderer Dauerbrenner ist das sogenannte “Topping from the Bottom”, das auch oft unter dem Stichwort “Wunschzettelsub” verhackstückt wird: Dom hat schließlich das Sagen, Sub hat zu folgen. Da passt es einfach nicht, bzw. wirkt geradezu Lust-tötend, wenn Sub einen “Wunschzettel” mit womöglich auch noch sehr konkreten Vorstellungen rüber reicht, die Dom dann quasi “abarbeitet”.

Distanz und Nähe in SM-Beziehungen

Januar 20th, 2008 Clu Maria

Können erotisch dominante Menschen keine Nähe zulassen? Ist zunehmende Nähe ein Problem für eine SM-Beziehung? Wie kann, wenn man sich liebt, noch die nötige Distanz aufgebaut werden, um Sub gelegentlich “wie ein Objekt” zu behandeln und phasenweise so “zu quälen und zu demütigen”, wie es für viele zu einer gelingenden Session gehört?

Immer wieder werden diese Fragen in den SM-Foren und Communities diskutiert, doch sind es Fragen, die nicht allein SM-Beziehungen betreffen. Auch “ganz normale Beziehungen” haben oft ein Problem mit Distanz und Nähe, denn es gilt:

yinyangZuviel Nähe tötet die Erotik, zuviel Distanz auch.

Sobald ich jemanden nur noch als “Teil von mir” wahrnehme, kann ich ihn nicht mehr begehren, denn er gehört ja schon zu mir. Bleibt er mir dagegen konsequent fern, kann ich zwar begehren, doch erkenne ich alsbald den Irrtum: wer Nähe nicht erträgt, ist ein ungeeignetes Gegenüber, denn es gibt keine Annäherung, die ja das Ziel der Sehnsucht ist: miteinander “spielen” ist unmöglich.

Von der Lust am Schmerz

September 29th, 2007 Clu Maria

Als ich vor Jahren meine erste, mit viel Voraus-Fantasie und wilden Vorstellungen erwartete Flag-Session erlebte, war es mit der “Lust am Schmerz” noch nicht weit her. Kopfkino und Wirklichkeit klafften spürbar auseinander. Während des Erlebens kreisten meine Gedanken fast ausschließlich um “psychische Aspekte”, nämlich die Verrücktheit, mir “sowas” antun zu lassen in einer Situation inszenierter Machtlosigkeit. Ich erlebte meinen beinharten Stolz, der mir aufgab, in keiner Weise Schwäche zu zeigen, und das für mich spektakuläre Zerbröseln dieser Haltung in körperlicher Erschöpfung.

Vom Kick der Demütigung im BDSM

September 13th, 2007 Clu Maria

*Wenn in einer SM-Community das Thema “Demütigung” zur Debatte steht, scheiden sich die Geister: Einige lehnen sämtliche Praktiken, die “erniedrigend” wirken könnten, für sich ab. Andere bestreiten deren demütigenden Charakter, denn es geschehe schließlich alles im Konsens. Viele geben aber auch zu, auf Demütigungen abzufahren und dadurch erregt zu werden, doch lese ich selten etwas darüber, warum dem eigentlich so ist.

In der Gesellschaft ist die Praxis, den Partner im erotischen Kontext zu demütigen, noch weit mehr tabuisiert als das Zufügen und Genießen körperlicher Schmerzen. Und doch spielen auch “Stinos” mit Demütigung, z.B. im “Dirty Talk”, oder wenn sich die Frau mal ganz besonders “nuttig” gibt, bzw. so behandelt wird (”geile Schlampe!”).

Vom Spiel mit der Scham

September 10th, 2007 Clu Maria

Schamspiele sind im Rahmen von BDSM-Szenarien beliebte Praxis: Sub soll etwas tut, das ihr die Schamröte ins Gesicht treibt. Was das im einzelnen ist, ist von Person zu Person verschieden, doch gibt es ja recht allgemein verbreitete gesellschaftliche “Tabus”, die sich nutzen lassen. Spiele mit Entblößung, mit Sich-präsentieren-müssen, Dirty-Talk, ungewohnte geile Handlungen, die eine “anständiger Mensch” gar nicht kennen darf, und vieles mehr.

Für mich geht es auf Sub-Seite bei Schamspielen vor allem um einen einzigen Punkt: eine innere Haltung finden, die das “automatische Schämen” (dem man zunächst mal erziehungsbedingt ausgeliefert ist) aushebelt und Subs Willen unterstellt. Also: Sich beherrschen lernen - im Rahmen eines gewissen erotischen Wettkampfs, in dem Sub siegt, sobald sie über Doms Zumutung nur noch müde lächelt.

Am Ende der Reise?

Juli 16th, 2007 Clu Maria

Vielleicht wundern sich ein paar Leser/innen, warum hier schon länger kein neuer Artikel erschienen ist. Das liegt daran, dass sich etwas in mir verändert hat: BDSM ist nicht mehr problematisch, nicht mehr schillernd, faszinierend, ambivalente Gefühle erregend und intellektuelle Auseinandersetzung fordernd. Es fühlt sich an, als sei ich mit diesem Thema durch!

Gut fünf Jahre hab’ ich geforscht, viel geschrieben, meine Erlebnisse reflektiert, die Wurzeln der Neigung erkundet und die jeweiligen Fantasien mit der Realität abgeglichen. Dabei änderte sich nach und nach mein Verlangen und das, was ich darüber denke. Der irrationale Kern der Neigung, dieses “Wünschen, was man eigentlich nicht wünscht” erwies sich als schlichte Verknotung der Psyche, als alte, quasi noch immer juckende Narbe uralter Verwundungen, die im Zuge bewusst gelebter Praxis komplett geheilt ist. Gut so!

Dominanz und Unterwerfung: Vom Nutzen konsensueller Hierarchie

April 17th, 2007 Clu Maria

Wer sich als Neuling dem SM-Bereich nähert und in den einschlägigen Foren und Webseiten stöbert, findet diese Welt voller “Sklavinnen”, “Herren”,”Doms” und “Subs”. Klare Rollenverteilungen beherrschen die Szene, zumindest auf den ersten Blick. Und es gibt eine Art “DS-Ideologie” (DS = Dominanz/Submission), nämlich die Rede von der Macht des dominanten Parts über den Submissiven, von der alleinigen Herrschaft über das erotische oder auch das ganze Leben. Manche Subs bezeichnen sich als “Besitz” bzw. “Eigentum” ihres Herrn bzw. ihrer Herrin und werden nicht müde, die Freuden des Dienens und des Beherrscht-werdens in den höchsten und oft recht romantischen Tönen zu feiern.

Vom BDSM-Paradox als KOAN

Februar 28th, 2007 Clu Maria

Ja, es ist ver-rückt, Dinge zu wünschen, die man “eigentlich” gar nicht will: die verstörenden Sehnsüchte nach dominant-sadistischen Zumutungen, die Selbstzweifel angesichts des Wunsches “solche Dinge zu tun” kostet viele Einsteiger eine lange Zeit innerer Auseinandersetzung, bevor sie sich die “Lizenz zum Experimentieren” erteilen. Dieser Artikel spürt den Irrungen und Wirrungen nach, die das BDSM-Paradox mit sich bringen kann.

Zum Einstieg sei kurz erinnert, wie die Frage nach dem “Wünschen des Unerwünschten” außerhalb der BDSM-Szene gesehen wurde und wird:

Eine Frau, die lustvolle Vergewaltigungsfantasien hat, will nicht etwa tatsächlich vergewaltigt werden. In der Fantasie genießt sie die Überwältigung, die Machtlosigkeit, den Sex mit dem Fremden, das Unberechenbare und auch Gewalttätige, doch ist sie in jedem Moment Herrin der Situation, denn SIE ist es, die die Fantasie steuert. Sie erschafft den Mann in der Täter-Rolle gemäß ihren persönlichen Kicks; sie setzt Zeit, Ablauf und Ende der Handlung - sie ist Regisseurin des eigenen Kopfkinos, nicht etwa Opfer, obwohl sie sich in die Rolle eines Opfers träumt. Es verbietet sich also, aus der Fantasie des Kopfkinos auf eine etwa erwünschte Realität rückzuschließen. Das Argument tatsächlicher Vergewaltiger und anderer Frauenfeinde (”die wollen es ja nicht anders”) hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun, sondern ist Ausdruck ihres Frauenhasses und ihrer gestörten Psyche.

Soweit, so bekannt, so sonnenklar - wer würde denn auch dieser Sicht der Dinge heute nicht zustimmen? Der entsprechende Disput wurde in den 70gern und 80gern im Rahmen der Frauenbewegung geführt, da es Frauen gab, die sich aufgrund solcher Fantasien ausgesprochen mies und “unfeministisch” fühlten. Heute ist die “Erkenntnislage” in dieser Frage weitgehend entspannt, Erotik-Ratgeber ermuntern dazu, die Fantasien einfach zu genießen und durchaus auch mal “Spiele mit Macht” in der eigenen erotischen Praxis zu wagen - unter “Stinos” ist also alles im grünen Bereich.


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