Vom Yoga der dunklen Erotik: Alle Beiträge in diesem Blog handeln von einvernehmlichem SM: physische und psychische Praktiken, die zur beiderseitigen Lust im erotischen Kontext inszeniert und erlebt werden.

Beiträge aus dem September 2007:

Von der Lust am Schmerz

September 29th, 2007 Clu Maria

Als ich vor Jahren meine erste, mit viel Voraus-Fantasie und wilden Vorstellungen erwartete Flag-Session erlebte, war es mit der “Lust am Schmerz” noch nicht weit her. Kopfkino und Wirklichkeit klafften spürbar auseinander. Während des Erlebens kreisten meine Gedanken fast ausschließlich um “psychische Aspekte”, nämlich die Verrücktheit, mir “sowas” antun zu lassen in einer Situation inszenierter Machtlosigkeit. Ich erlebte meinen beinharten Stolz, der mir aufgab, in keiner Weise Schwäche zu zeigen, und das für mich spektakuläre Zerbröseln dieser Haltung in körperlicher Erschöpfung.

Der Kannibale von Rotenburg im Buch

September 20th, 2007 Clu Maria

Der Sexualwissenschaftler Klaus M. Meier, Leiter des Instituts für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin an der Berliner CharitĂ©, hat ein Buch über “sexuellen Kannibalismus” geschrieben. Er hat sich dafür intensiv mit dem als “Kannibale von Rotenburg” bekannt gewordenen Täter Armin Meiwes auseinander gesetzt, der aus seiner Sicht weder ein geistesgestörter Mörder noch ein Sadist ist, sondern ein extremer Fetischist mit einer schweren Bindungsstörung: “Mit dem Schlachten seines Opfers wollte Meiwes keinen Lustgewinn erreichen, wie es bei Sadisten der Fall wäre, sondern eine Bindung eingehen.” sagt Meier in einem Interview mit der ZEIT.

Vom Kick der Demütigung im BDSM

September 13th, 2007 Clu Maria

*Wenn in einer SM-Community das Thema “Demütigung” zur Debatte steht, scheiden sich die Geister: Einige lehnen sämtliche Praktiken, die “erniedrigend” wirken könnten, für sich ab. Andere bestreiten deren demütigenden Charakter, denn es geschehe schließlich alles im Konsens. Viele geben aber auch zu, auf Demütigungen abzufahren und dadurch erregt zu werden, doch lese ich selten etwas darüber, warum dem eigentlich so ist.

In der Gesellschaft ist die Praxis, den Partner im erotischen Kontext zu demütigen, noch weit mehr tabuisiert als das Zufügen und Genießen körperlicher Schmerzen. Und doch spielen auch “Stinos” mit Demütigung, z.B. im “Dirty Talk”, oder wenn sich die Frau mal ganz besonders “nuttig” gibt, bzw. so behandelt wird (”geile Schlampe!”).

Vom Spiel mit der Scham

September 10th, 2007 Clu Maria

Schamspiele sind im Rahmen von BDSM-Szenarien beliebte Praxis: Sub soll etwas tut, das ihr die Schamröte ins Gesicht treibt. Was das im einzelnen ist, ist von Person zu Person verschieden, doch gibt es ja recht allgemein verbreitete gesellschaftliche “Tabus”, die sich nutzen lassen. Spiele mit Entblößung, mit Sich-präsentieren-müssen, Dirty-Talk, ungewohnte geile Handlungen, die eine “anständiger Mensch” gar nicht kennen darf, und vieles mehr.

Für mich geht es auf Sub-Seite bei Schamspielen vor allem um einen einzigen Punkt: eine innere Haltung finden, die das “automatische Schämen” (dem man zunächst mal erziehungsbedingt ausgeliefert ist) aushebelt und Subs Willen unterstellt. Also: Sich beherrschen lernen - im Rahmen eines gewissen erotischen Wettkampfs, in dem Sub siegt, sobald sie über Doms Zumutung nur noch müde lächelt.

Tipps für Tops: Vom Durchbrechen der Routine

September 6th, 2007 Clu Maria

Es geht nicht nur BDSM-Paaren so: nach einiger Zeit hat man heraus gefunden, was beim Partner gut ankommt, welche Praktiken verlässlich Begeisterung auslösen, und auch, zu welchen Zeiten man seine erotischen Events veranstaltet und wann besser nicht.

Auch Paare, die ein Machtgefälle inszenieren, sind dagegen nicht gefeit, denn Dom ist ja doch bemüht, auch Sub auf ihre Kosten kommen zu lassen und neigt dazu - vor allem, wenn die Beziehung nicht mehr ganz frisch und entsprechend abenteuerlich ist - das Gefällige dem evtl. Stressigen vorzuziehen. Der rundum “böse” Dom, der niemals Wünsche erfüllt und Sub ausschließlich zu “seiner Lust” benutzt, ist eine Gestalt aus dem Kopfkino, jedoch nicht wirklich realitätstauglich! Zudem ist “seine Lust” ja oft genug auch “ihre Lust”, sonst wären die beiden nicht länger als für ein paar Kennenlern-Sessions zusammen geblieben.


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