Vom Yoga der dunklen Erotik: Alle Beiträge in diesem Blog handeln von einvernehmlichem SM: physische und psychische Praktiken, die zur beiderseitigen Lust im erotischen Kontext inszeniert und erlebt werden.

Beiträge aus dem Februar 2007:

Vom BDSM-Paradox als KOAN

Februar 28th, 2007 Clu Maria

Ja, es ist ver-rückt, Dinge zu wünschen, die man “eigentlich” gar nicht will: die verstörenden Sehnsüchte nach dominant-sadistischen Zumutungen, die Selbstzweifel angesichts des Wunsches “solche Dinge zu tun” kostet viele Einsteiger eine lange Zeit innerer Auseinandersetzung, bevor sie sich die “Lizenz zum Experimentieren” erteilen. Dieser Artikel spürt den Irrungen und Wirrungen nach, die das BDSM-Paradox mit sich bringen kann.

Zum Einstieg sei kurz erinnert, wie die Frage nach dem “Wünschen des Unerwünschten” außerhalb der BDSM-Szene gesehen wurde und wird:

Eine Frau, die lustvolle Vergewaltigungsfantasien hat, will nicht etwa tatsächlich vergewaltigt werden. In der Fantasie genießt sie die Überwältigung, die Machtlosigkeit, den Sex mit dem Fremden, das Unberechenbare und auch Gewalttätige, doch ist sie in jedem Moment Herrin der Situation, denn SIE ist es, die die Fantasie steuert. Sie erschafft den Mann in der Täter-Rolle gemäß ihren persönlichen Kicks; sie setzt Zeit, Ablauf und Ende der Handlung - sie ist Regisseurin des eigenen Kopfkinos, nicht etwa Opfer, obwohl sie sich in die Rolle eines Opfers träumt. Es verbietet sich also, aus der Fantasie des Kopfkinos auf eine etwa erwünschte Realität rückzuschließen. Das Argument tatsächlicher Vergewaltiger und anderer Frauenfeinde (”die wollen es ja nicht anders”) hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun, sondern ist Ausdruck ihres Frauenhasses und ihrer gestörten Psyche.

Soweit, so bekannt, so sonnenklar - wer würde denn auch dieser Sicht der Dinge heute nicht zustimmen? Der entsprechende Disput wurde in den 70gern und 80gern im Rahmen der Frauenbewegung geführt, da es Frauen gab, die sich aufgrund solcher Fantasien ausgesprochen mies und “unfeministisch” fühlten. Heute ist die “Erkenntnislage” in dieser Frage weitgehend entspannt, Erotik-Ratgeber ermuntern dazu, die Fantasien einfach zu genießen und durchaus auch mal “Spiele mit Macht” in der eigenen erotischen Praxis zu wagen - unter “Stinos” ist also alles im grünen Bereich.

Zuviel BDSM?

Februar 12th, 2007 Clu Maria

Einsteiger fühlen sich gelegentlich überwältigt von den vielen neuen, gleichermaßen faszinierenden und verwirrenden Eindrücken aus der BDSM-Welt. Wer den Schritt gemacht hat, sich innerlich zu den dunklen Sehnsüchten zu bekennen und nun den eigenen Platz, die eigene Lust im Reich der “anderen Erotik” sucht, hat es wahrlich nicht leicht. Potenzielle Partner und erste Gespielen vertreten IHRE Sicht auf BDSM und wie man es zu leben habe. Hinzu kommen die vielen Foren und Webseiten, auf denen sich schier alles findet, was an Haltungen und Ideologien so denkbar ist. Und gerade das Geschriebene weißt einen hohen Anteil “Virtualität” auf, sprich: da schreiben Menschen aus ihrem Kopfkino, was sie sich wünschen und erträumen, ohne dazu zu sagen, dass ihr Leben in der Praxis doch ein wenig anders aussieht. Gar nicht leicht für “Neue”, sich da zu orientieren!

Mentale Verstrickungen

Die Frage, ob es ein “Zuviel” an BDSM gibt, begegnete mir neulich in einem großen Forum der Szene. Die Angst, von dieser Leidenschaft “aufgefressen” zu werden und den Bezug zum “ganz normalen Leben” zu verlieren, ist gar nicht so selten. Wer das eigene Erleben wenig reflektiert und sich stark an anderen, z.B. den ersten “Spielpartnern” orientiert, muss ein gesundes Selbstbewusstsein und ein Gespür für das, was einem gut tut und was nicht, erst entwickeln. Gar nicht so einfach, wenn man auf der Sub-Seite steht und sich vor allem darum bemüht, diese Rolle “gut” auszufüllen!


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